Chronik

Chronik des Bürgerschützenvereins Holsterhausen 53
1953 bis 2003

Vorwort

Als nach dem verlorenen 2. Weltkrieg der Allgemeine Schützenverein Holsterhausen (Dorf) reaktiviert wurde (Hervest-Dorsten folgte erst 1956 nach), fand das nicht in allen Teilen der Bevölkerung große Freude und Zustimmung. Zu frisch waren noch die Erinnerungen an harte militärische Ausbildungen und die Leiden des Krieges, zumal noch viele Söhne des Volkes in einer Kriegsgefangenschaft waren. So war es kein Wunder, dass eine der beiden Ortszeitungen (Westfälische Rundschau) dem im Jahre 1948 erstmals wieder stattfindenden Schützenfest eine Reportage unter der Überschrift "Nun marschieren sie wieder" widmete. Der Berichterstatter fand so etliche Haare in der Suppe, obwohl nur mit der Armbrust geschossen werden durfte. Das Motto "Ordnung, Einigkeit und Frohsinn", unter dem die Schützen neu angetreten waren, fand entweder keine Wertschätzung oder schien dem Berichterstatter gar suspekt. Wie dem auch sei, das erste wie auch die folgenden Schützenfeste des Allgemeinen Schützenvereins Holsterhausen (Dorf) wurden von der Bevölkerung, die noch einen Nachholbedarf im Feiern in gesellschaftlicher Runde hatte, gut angenommen. Obwohl der Hauptteil der Mitglieder rund um die Pfarrkirche St. Antonius wohnte, hatten sich die Initiatoren der Reaktivierung wohl Gedanken darüber gemacht, wie man auch die Einwohner der anderen Kirchengemeinden für ein Mitmachen gewinnen könnte. Der Erfolg blieb nicht aus, nachdem Menschen dieser Zielgruppe auch für "würdig" erachtet wurden, den Verein als Schützenkönig oder Schützenkönigin zu repräsentieren. So ergab es sich, dass der an der Borkener Straße sein Geschäft betreibende Textilkaufmann Fritz Winkel für den Sonntag des Jahres 1948 vertretungsweise den Part des Schützenkönigs von 1938, Johannes Schütter, übernahm, weil dieser im Kriege gefallen war. Am Schützenfest-Montag 1948 nahm sich der neue Schützenkönig Rudolf Schaub als Königin Frau Rika Passmann, die mit ihrem Gatten Heinrich an der Borkener Straße eine Bäckerei betrieb. Im Jahre 1950 wurde Frau Hildegard Küpper von der Annettestraße Königin des Schützenkönigs Josef Hater und 1952 schoss der Bäckermeister Alois Nolte, der sein Geschäft an der Borkener Straße betrieb, den Vogel ab.

 

Ausgangslage für die Gründung eines weiteren Schützenvereins im Jahre 1953


Bevor versucht wird, etwas über eine 50 Jahre zurück liegende Stimmungslage beiderseits der Borkener Straße auszuführen, sollten einige Fakten voran gestellt werden. Neben dem im Vorwort genannten Königinnen/Königen wohnten im Jahre 1953 etliche Spitzenrepräsentanten des Schützenvereins Dorf nicht im Kernbereich des Dorfes, sondern in der Nähe der Borkener Straße. So der Vorsitzende Josef Schlagenwerth, der Kassierer Bernhard Honsel, der Hauptmann der 1. Kompanie Paul Bungert (mit seinem unnachahmlichen Stechschritt) und der Hauptmann der 2. Kompanie Franz von Hinten (Söltener Landweg). Dazu kam, dass im Jahre 1953 der Verein durch das junge und sehr attraktive Königspaar Johannes Tegelkamp und Hildegard Schreiter repräsentiert wurde. Die Zeitgeschichte hat bewiesen, dass viele Initialzündungen aus einer feucht-fröhlichen Feier kamen, wobei auch dumpfe Minderwertigkeitsgefühle eine Rolle spielten. Was heute als dumm oder gar absurd abgetan werden könnte, war vor 50 Jahren noch latent. Bei Ursachenforschungen hilft kein Schönreden. Von einem Teil des rund um St. Antonius wohnenden Besitzbürgertums wurden die Bewohner der "alten" Kolonie ostwärts der Borkener Straße und der "neuen" Kolonie (auch Sachsen-Kolonie genannt) kurzweg (meistens abwertend) als "Kolonisten" bezeichnet, die ihrerseits die Anderen "Dörfler" nannten. Man nahm einander mit einer gewissen Distanz an.

Bild folgt

Frühjahr 1953: Josef Bogoczek vor seiner Seltersbude


Auch das mag dazu geführt haben, dass einige Stammkunden von Josef Bogoczek, der an der nördlichen Seite der Ecke Heinrichstraße/Borkener Straße ein kleines Holzhäuschen (im Volksmund "Seltersbude" genannt) hingesetzt hatte und aus demselben Süß- und Tabakwaren sowie Getränke verkaufte, neben dem allgemeinen Klatsch und Tratsch auch das Thema Schützenverein diskutierten. Der Kern dieser Diskutanten bestand neben Josef Bogoczek selber aus Heinrich Nohendorf, Helmut Zielonka und dem Polizeibeamten Fritz Kramer, der des öfteren auf seinem Fahrrad "Kontrollrunden" drehte. Sehr zum Missvergnügen des Betreibers der gegenüber liegenden Gaststätte Schmitz verkaufte Josef B. auch Flaschenbier und bekanntlich steigt mit dem Bierkonsum auch der Kampfesmut. Die mehr oder weniger losen Treffen an der Verkaufsbude zogen sich während der Schönwetterperiode über Wochen hin und der Kreis derjenigen, die auch ihren "Senf" dazugeben wollten, wurde größer. Dabei ignorierten die Diskutanten, dass - wie eingangs aufgeführt - gewichtige Repräsentanten des Schützenvereins Dorf beiderseits der Borkener Straße wohnten. So mehr aus dem Bauch heraus kam das Verlangen eines großen Treffens, auf dem man den "Dörflern" klarmachen wollte, dass sich die Einwohner dieses Stadtteils nicht länger als "Stiefkinder" behandeln lassen wollten. Mehr oder weniger durch Mundpropaganda (vermutlich auch durch eine Pressenotiz) wurde publik gemacht, dass an einem Sonntagmorgen im August 1953 ein Zusammentreffen aller Interessierten im Saale der Gastwirtschaft Schmitz geplant sei. An dem besagten Sonntagmorgen war Klaus Koch, der von der ganzen Angelegenheit nichts wusste, mit Herbert Schulz zum Frühschoppen an der Theke der Gastwirtschaft Schmitz. Nicht weit von ihnen stand der Tischlerobermeister August Kraushaar. Die nur schleppende Unterhaltung wurde permanent unterbrochen, weil andauernd die Einganstür aufging und Männer in den Saal strömten. Das erweckte die Neugier der Drei. Nun gingen Herbert Schulz und Klaus Koch ebenfalls in den Saal und setzten sich auf das bordeaux-rote Plüschsofa in der Ecke. Beide erwarteten, dass da irgendetwas ablaufen würde. Als der Saal nahezu gefüllt war, hörten die Beiden die Stimme von Fritz Kramer, der wohl eine Art von Versammlungsleiter praktizierte. Bald wurde klar worum es ging. Rede und Widerrede wechselten sich ab. Unter den Diskutanten waren auch der Oberst des Schützenvereins Dorf, Harry Piel, und der Fahrer von Bürgermeister Schürholz, Hans Jaroni, die der Idee einer Neugründung widersprachen. Immer andere Redner meldeten sich zu Wort. Die Zeit verging, die Stimmung kochte hoch und es war kein Ende abzusehen. Da bat Klaus Koch ums Wort. Er mahnte, dass die Frauen wohl mit dem Essen warten würden. Aus den Wortbeiträgen sei herauszuhören gewesen, dass die meisten Redner für die Gründung eines neuen Vereins seien. Doch habe das einen Sinn? Er machte den Vorschlag, bei den drei Friseurbetrieben Rudi Feyfar, Heinrich Kästner und Hans Schulte Listen auszulegen, um herauszufinden, ob in der Bevölkerung ein entsprechendes Interesse vorhanden sei. Die Anwesenden waren sofort einverstanden. Aus der Mitte der Teilnehmer kam dann der Vorschlag, einen vorbereitenden Ausschuss zu wählen, der die Vereinsgründung vorbereiten solle, falls die Eintragungen in die Listen eine angemessene Zahl von Männern erreichen würden. Um die Zusammenkunft nun zu Ende zu bringen, erklärte sich Klaus Koch auf Vorschlag bereit, diesem Gremium vorzustehen. August Kraushaar und Erich Heinrich kamen noch dazu und selbstverständlich Fritz Kramer.

 

Das Werden


Nach circa 3 Wochen Ausliegezeit hatten sich rund 150 Interessenten in die drei Listen eingetragen. Darunter mehr als ein halbes Dutzend, die bereits Mitglied im Schützenverein Dorf waren. Darunter waren auch einige Gewerbetreibende, die sich wohl mehr aus Geschäftssinn einer Neugründung zugeneigt zeigten. Die beachtliche Zahl von Eintragungen war auch deshalb nicht verwunderlich, weil sich der Teil ostwärts der Idastraße als eine Art Diaspora im Schützenwesen darstellte. Der vorbereitende Ausschuss kam deshalb zu der Ansicht, eine Satzung vorzubereiten und einen Termin für eine Gründungsversammlung mit Vorstandswahlen zu benennen. Da die Wirtschaft nur langsam erblühte und mit den Einkommen der arbeitenden Bevölkerung nur die Grundbedürfnisse gedeckt werden konnten (die gesamte Waldsiedlung sowie die Hammbach-Siedlung wurden erst später gebaut), musste ein zugkräftiger Passus in die Satzung eingebaut werden. Dieser besagte, dass jedes Mitglied (ab 18 Jahre) unabhängig vom beruflichen Stand und Vermögen berechtigt sei, Schützenkönig zu werden, wobei allerdings ein guter Leumund und der Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte Voraussetzung seien. Dieser Grundtenor sollte sich für die Entwicklung des Vereins noch als sehr nützlich erweisen. Der vorbereitende Ausschuss hatte auch bezüglich der in der Satzung aufgeführten Vorstandspositionen gute Vorarbeit geleistet. Durch die beiden Ortszeitungen wurde zur Gründungsversammlung am Morgen des 23. September 1953 in den Saal der Gastwirtschaft Schmitz eingeladen. Klaus Koch übernahm die Versammlungsleitung und forderte die Erschienenen auf, sich in die Anwesenheitslisten einzutragen. Danach las er den für den Bürgerschützenverein Dorsten-Holsterhausen 1953 vorbereiteten Satzungsentwurf vor und bat um Annahme. Diese erfolgte einstimmig. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wurde der erst 24-jährige kaufmännische Angestellte Klaus Koch gegen seine Stimme zum 1. Vorsitzenden gewählt. Sein Einwand, dass er in 2 Monaten zur Innenstadt umziehen würde und er somit ungeeignet sei, wurde von den Anwesenden mit "Du stehst für uns Holsterhausener hier in der Pflicht" zurückgewiesen. Sein Stellvertreter wurde der Obermeister der Tischlerinnung August Kraushaar. Als Geschäftsführer wurde der Malermeister August Schlüter, als Kassierer (später Schatzmeister genannt) der Leiter der Zweigstelle Holsterhausen der Spar- und Darlehnskasse Heinz Vorholt, als Schriftführer der Polizeibeamte Fritz Kramer und als Protokollführer der Bauhandwerker Erich Heinrich gewählt.

Bild folgt

v. links stehend: Die Vereinsgründer August Kraushaar, Helmut Zielonka, Klaus Koch, Fritz Kramer, Heinrich Kästner, Rudolf Feyfar


Als es nun um die Frage ging, wer den in der Satzung genannten Mitgliedsbeitrag von 1 DM einkassieren würde, meldeten sich Franz Grunau, Theo Nowak, Josef Wiche und Herbert Schulz. Die Versammlungsteilnehmer waren einverstanden, so dass später der sich für alle ungeklärten Fälle zuständig fühlende Fritz Kramer 4 Kassierungsbezirke einteilen konnte. Der Beitrag von 1 DM schien für die damalige Zeit reichlich bemessen. Doch der Vorstand machte klar, dass die Hälfte davon beim Schützenfest jedem Mitglied in Form von Verzehrmarken vergütet werden sollte. Eine Regelung, die sich später bei den Verhandlungen mit den Betreibern der Zeltrestauration als sehr nützlich erweisen sollte. Die Überlegung, dass kaum jemand auf die Rückvergütung verzichten und deshalb zum Zelt kommen würde, wurde immer wieder bestätigt. Die Kosten für die Vereinsführung waren gleich Null, weil von vornherein der Grundsatz galt, dass kein Vorstandsmitglied irgendwelche Spesen zu Lasten der Vereinskasse abrechnen sollte. Mit einer Ausnahme hielten sich alle daran. Runden zu Lasten der Vereinskasse gab es nicht. Ziel eines Schützenvereins ist neben der Pflege der Kameradschaft die Abhaltung eines Schützenfestes. Da dieses schon bald stattfinden sollte, machte sich der Vorstand daran, einen Termin auszusuchen, der nicht mit denen der schon bestehenden Schützenvereine kollidierte sowie, was wohl sehr wichtig war, einen Zeltverleiher und Restaurateur zu finden.

Bild folgt

Der 24-jährige Vorsitzende Klaus Koch


Da erwies es sich als ein großer Vorteil, dass Klaus Koch zwei/drei Jahre vorher, federführend für die Ortsgruppe Holsterhausen der IG Bergbau, anlässlich der 1. Mai-Feiern mit der Firma Zelte-Koch, Dortmund, auf der Wiese Schulte-Hagenau 2 Zeltfeste durchgeführt hatte. Die Firma Zelte-Koch hatte damals einen guten Reibach gemacht und meinte wohl, auch dieses Mal könne wohl nichts schief gehen. Man einigte sich auf einen Sonntag Ende Mai 1954. Ein Handicap war, dass die Firma Zelte-Koch vertraglich zum Ausschank von DAB-Bier und Pepsi-Cola verpflichtet war. Dieses war den Vertretern der Rose-Brauerei und des Coca-Cola-Vertriebs Krietemeyer bekannt. Als diese von dem bevorstehenden Fest erfuhren, wurden sie beim Vorstand vorstellig mit den Wünschen, ihre Produkte im Zelt zum Ausschank zu bringen. Erst nach mehreren Verhandlungen erklärte sich Zelte-Koch bereit, dem Verlangen stattzugeben. Damit begann auch die Periode einer langen "Ehe" zwischen der Rose-Brauerei und dem Bürgerschützenverein Dorsten-Holsterhausen 1953, die beiden zum Vorteil gereichte. Nun galt es, dem Schützenverein die Korsettstangen einzuziehen und die bilden nun einmal das Offiziers- und Unteroffizierskorps. Bei der Sichtung der geeigneten Kandidaten wurde Wert darauf gelegt, dass eine breite Vertretung aller Berufsgruppen sichergestellt werden sollte. So ergab es sich zwangsläufig, dass überwiegend Belegschaftsmitglieder der Schachtanlage Fürst Leopold-Baldur mit Funktionen betraut wurden. So waren der Hauptmann Alfred Stemmler, der Oberleutnant Bernhard Botterbrod, der Leutnant Ernst Wratschko und der Hauptfeldwebel Alois Häming von der 2. Kompanie Bergleute. Hauptmann der 1. Kompanie wurde der erst 23-jährige Bäckergeselle Willi Frerick von der Humboldtstraße, Oberleutnant der Orgelbauer Helmut Walter, Leutnant der Zechenangehörige Gerhard Rautenberg und als erfahrener Kommandogeber der Hauer Josef (Sepp) Frank. Als Königsadjutant wurde der Fleischergeselle Günter Boers eingesetzt. Um in der Tradition der Schützenvereine zu bleiben, wurde nach 4 Männern Ausschau gehalten, die als Berittene den Stab Oberst, Major und deren beiden Adjutanten bilden sollten. Als Major bot sich selbst der Bäckermeister Franz Bröskamp an, der in das Farben- und Tapetengeschäft Wemhoff aus Hervest-Dorsten eingeheiratet hatte und deren Filiale er neben dem Haushaltswarengeschäft Schlagenwerth auf der Freiheitsstraße führte. Zwar hatte er, der aus Wolbeck bei Münster stammte, mit der Reiterei wenig zu tun gehabt, doch den Versammlungsteilnehmern imponierte der Mut, den er aufbrachte. So auf einem fremden Pferd zu sitzen und dazu vor vielen Menschen Kommandos geben zu müssen, das war wohl nicht jedermanns Sache. Franz Bröskamp wurde ohne Gegenstimme gewählt, wobei nicht wenige skeptisch dreinschauten. Die Wahl von Gerd Kruse als dessen Adjutanten bot sich von selbst an, da er von Kindesbeinen "mit Pferden aufgewachsen" war. Robert Nowroths "Wahl", der im 2. Weltkrieg auch als Kavallerist gedienst hatte, zum Adjutanten des Obersten wurde von launigen Sprüchen begleitet. Doch wer sollte als Oberst den Verein repräsentieren? Von den Versammlungsteilnehmern wurde keiner als geeignet erachtet. Da fiel aus der Versammlung heraus der Name Karl Werner, der als Meister bei der Firma Paton beschäftigt war und von dem man wusste, dass er - aus Ostpreußen stammend - schon im 1. Weltkrieg als Kavallerist gedient hatte. Eine Delegation machte sich auf den kurzen Weg zu dessen Wohnhaus. Es war eine glückliche Fügung des Schicksals, als die Delegationsteilnehmer mit Karl Werner zurück kamen und dieser proppere ältere Herr die Wahl annahm. Dem Gastwirt Willi Schmitz sen. wurde der Titel "Ehrenoberst" verliehen. Der Vorstand wollte sich nicht den Bräuchen der Nachbarvereine anschließen, bei denen die Vorstandsmitglieder bei Feierlichkeiten schwarze Zylinder trugen. Er machte deshalb den Vorschlag, dass alle Mitglieder ausnahmslos einen Schützenhut mit passender Feder tragen sollten. Um eine Einheitlichkeit zu gewährleisten wurde das Textilhaus Winkels mit der Beschaffung betraut. Eine Ausnahme sollten nur die Kopfbedeckungen von Oberst und Major bilden, denen ein besonderer Federschmuck zugebilligt wurde. Die Rangabzeichen für die Offiziere und Unteroffiziere sollten denen gleichen, die zuletzt in der deutschen Wehrmacht üblich waren. Bald kam das Thema auf, dass man als Verein ja schnellstens eine Fahne haben müsse und so machte sich Franz Grunau, der vom Reichsbund der Kriegs- und Zivilgeschädigten Erfahrungen mitbrachte, zu einer großen Sammelaktion auf den Weg. Bald war eine stattliche Summe zusammengetragen und Änne Nowroth sprach ihre Schwester an, die in einem Kloster im Münsterland lebte. Diese wiederum aktivierte ihre Mitschwestern zum Entwurf und Fertigstellung einer mit den Symbolen des neuen Vereins versehenen Fahne. Es war wirklich ein Prachtstück, für das noch der passende Schaft mit Spitze zu besorgen galt.

 

Vorbereitungen für das erste Schützenfest


Der Vorstand mache sich nun daran, den Gesamtablauf des Festes organisatorisch vorzubereiten. Die Bergwerkskapelle von Fürst Leopold-Baldur war mit 15 Musikern unter der Leitung von Rudi Maiwald für die Marsch- und Tanzmusik an allen 3 Tagen sowie dem Sonntag der Vorparade für 825 DM verpflichtet worden. Selbstverständlich wurde auch das Tambourkorps des Schützenvereins Holsterhausen-Dorf unter der Leitung von Ludwig Prewing engagiert. Der Bürgermeister Paul Schürholz, gleichzeitig Vorsitzender und Oberst der Altstadtschützen wurde schriftlich gebeten, die Fahnenweihe am Sonntag und die Inthronisierung des 1. Schützenkönigspaares am Montag vorzunehmen. Gleichzeitig wurden die Vorsitzenden der Nachbarvereine mit jeweiliger Fahnenabordnung zur Fahnenweihe und eine Thronabordnung von jeweils 6 Paaren zum Krönungsball am Montagabend eingeladen. Besonders letzteres war ein kluger Schachzug, der für das Dorstener Schützenwesen völlig neu war. Die anfangs etwas zögerliche Kontaktaufnahme entwickelte später echte Zuneigungen und Freundschaften. Auch die anderen Schützenvereine erkannten bald, dass durch die festlich gekleideten Thronabordnungen bei den Krönungsbällen am Montagabend eine gehobene, ja fast elegante Atmosphäre geschaffen wurde. Da der Verein naturgemäß noch keinen König hatte, folgten die Mitglieder dem Vorschlag des Vorstandes, den als Geschäftsführer gewählten Maler- und Anstreichermeister August Schlüter am Sonntag als "Präsident" agieren zu lassen. Ihm zur Seite wurde die Ehefrau des Festausschussmitgliedes Georg Schranner, Irmgard Schranner, gestellt. Nun war es gar nicht so einfach eine entsprechende "Thronbesatzung" zusammen zu bekommen. In der damaligen Zeit war das Geld nicht so locker und welche Frau hatte schon ein langes Kleid im Schrank. Als mit Freiwilligkeit wenig zu machen war, ordnete der Vorstand im Einvernehmen mit dem Stab an, dass alle Vorstandsmitglieder einschließlich der Kassierer sowie alle Offiziere plus Hauptfeldwebel auf dem Thron Platz zu nehmen hatten. Zudem erfolgte der Beschluss der Mitgliederversammlung, dass für jede Person auf dem Thron ein festes Throngeld zu zahlen sei.

 

Das erste Schützenfest am letzten Mai-Wochenende des Jahres 1954

Bild folgt

Kranzniederlegung beim 1. Schützenfest

Weil zu der Zeit rings um die Gastwirtschaft Schmitz genügend Freiflächen vorhanden waren, konnte das circa 1000 m² große Zelt mit Kirmeseinrichtungen gut neben der Borkener Straße plaziert werden. Schon der Schützenball am Samstagabend war gut besucht und die Stimmung dank der Bergwerkskapelle, von der Musiker zum Spaß kurzzeitig sogar auf die Zelt-Holzbalken geklettert waren, hervorragend. Es waren weit über 100 Schützen, die am Sonntagmorgen - nach dem Kirchgang - zum Kriegsgräber-Rondell auf dem Waldfriedhof zur Gefallenen- und Totenehrung antraten. Mit dabei war auch der Gesangverein "Sangeslust". Eine Übung, die sich mit der Zeitverschiebung auf Samstagnachmittag bis heute erhalten hat. Der Programmablauf wurde durch die "Schützenpost" und durch die beiden Lokalzeitungen publiziert und so wurde über den Ortsteil Holsterhausen hinaus eine gewisse Neugier geweckt. Was mögen die "Kolonisten" wohl zustande bringen? Der Ablauf war perfekt. 6 Ehrenjungfrauen (unter ihnen Hetta Nolte, damals Stasch, Maria Kunkel, damals Kästner, Doris Berger, damals Winkels, Christel Goldschmidt, damals Neumann und Elsbeth Fasselt, damals Kraushaar) trugen die neue Fahne am Sonntagnachmittag zu dem Flachwagen auf dem alten BVH-Sportplatz, wo der wortgewaltige Bürgermeister Paul Schürholz die Rede hielt und die Fahne den Fäusten der 3 neuen Fahnenoffiziere Heinz Klomberg, Heinz Kästner und Theo Schlüter übereignete, wonach die Fahnenspitze mit den Fahnen der Fahnenabordnungen des Brudervereins Holsterhausen-Dorf, Dorsten-Altstadt, Feldmark, Hardt und Dorf Hervest berührt wurde. Dem Zeremonielle wohnten dankbarerweise auch die Vorsitzenden der vorgenannten Vereine bei.

Bild folgt

1. Fahnenweihe mit Bürgermeister Paul Schürholz

Bild folgt

Alle Nachbarvereine waren bei der Fahnenweihe auf dem Planwagen stehend vertreten

In Ermangelung eines Königspaares waren für den Sonntag der Geschäftsführer und Malermeister August Schlüter als Präsident und Frau Irmgard Schranner als Präsidentin benannt. Beide warteten mit ihren Ehegatten auf den Vorbeimarsch des Bataillons. Doch der verzögerte sich, da das Karrenpferd von Valentin Pawlitza, auf dessen Rücken der Major Franz Bröskamp eine einigermaßen gute Figur zu machen versuchte, anfing zu bocken. Franz Bröskamp hatte gerade "Bataillon" geschrien, als der Zossen davon eilte und die Menschen nur noch ein nicht enden wollendes "br br br" aus der Kehle des Majors hörten. Das führte zu einer gelockerten Stimmung während des Umzuges durch einen Teil der Holsterhausener Straßen. Diese hätte der Bürgermeister ohne seine Teilnahme an demselben sonst wohl nie in seinem Leben gesehen. Es gab viele Neugierige, die ihre Hälse reckten, um genau festzustellen, wer nun am Abend die Stufen zum Thron heraufschritt und natürlich wer welches Kleid anhatte und welche Frisur. Nichts ist so beißend wie die scharfe Zunge einer missgünstigen Nachbarin. Und so herrschte anfangs eine gewisse Beklommenheit vor, die sich aber bald löste. Niemand fiel aus der Rolle und um 2 Uhr des frühen Montags war die Thronherrlichkeit zu Ende. Um 10 Uhr war die Zeit zum Antreten für die Vorbereitungen zum Königsschuss des 1. Schützenkönigs.

Bild folgt

Der 1. Umzug durch Holsterhausen 1954: v. links Klaus Koch, Bürgermeister Paul Schürholz, August Kraushaar, 2. Reihe: Vorsitzender der "Dörfler" Johann Schlagenwerth, Fritz Kramer

Der Stand war auf dem alten Sportplatz an der Borkener Straße aufgebaut. Die Schießaufsicht oblag dem Waffenmeister von der Firma Hofmann aus Dorsten. Nachdem der hölzerne Vogel um Krone, Zepter und Reichsapfel mittels KK-Munition beraubt war, kam die große erwartungsvolle Pause. Wer wagt sich? Alles war so neu. Was kostet das? Nach ein paar Bierchen meldete sich als erster ernsthafter Bewerber der Gastwirt Heinrich Boers, der zudem noch einen Jagdschein besaß. Doch das war zu wenig. Dann kam (wohl mehr spaßeshalber) Hans Frölich. Der Vorsitzende Klaus Koch war froh, als ihn Heinz Hortlik am Ärmel zupfte und sagte: "Frag doch mal meinen Vater!" Der Omnibusunternehmer Josef Hortlik war schließlich nicht abgeneigt und der Vorstand hocherfreut. Nach dem Ehrenschuss von Dechant Wehninck traten die Bewerber in der gewählten Reihenfolge jeweils mit einem Schuss an. Mit dem letzten Schuss von Josef Hortlik fiel der Rest des Vogels und dem Vorstand ein Stein vom Herzen. Als Bürgermeister Paul Schürholz am frühen Nachmittag im vollbesetzten Zelt Josef Hortlik zum ersten Schützenkönig und Frau Marianne Schlüter zur ersten Schützenkönigin proklamierte brandete minutenlang lauter Jubel auf. Der auf den Nachmittag um 17 Uhr geplante Umzug (nunmehr mit 2 Kutschen) sah viele freudig winkende Menschen an Fenstern und Straßenrändern. Zum Krönungsball am Montagabend konnten die dafür eingeteilten Offiziere große Abordnungen der eingeladenen Nachbarvereine zu den reservierten Tischen geleiten. Erfreulicherweise war die Zahl der Paare unseres Brudervereins Holsterhausen-Dorf besonders groß. Der erste Krönungsball war ein Bombenerfolg. Der Umstand, dass Josef Hortlik gleichzeitig 2. Vorsitzender des BVH war, festigte die Bande innerhalb der Bevölkerung. Der Verein gewann an Ansehen und die Mitgliederzahl stieg.

Bild folgt

Das Königspaar Marianne Schlüter und Josef Hortlik beim Abschreiten der Front

Bild folgt

v. links: Marianne Schlüter, Josef Hortlik, Günter Boers, Lina Kramer, Bernhard Botterbrod, (im Hintergrund: Ehrenoberst Willi Schmitz sen.), Hanni Botterbrod, Fritz Kramer

Der Vorstand war bestrebt, dem Gründungsgedanken, dass ein Jeder Schützenkönig werden konnte, Geltung zu verschaffen. Und so traf es sich gut, dass der Oberleutnant der 2. Kompanie Bernhard Botterbrod, der als "Rutschmann" auf "Fürst Leopold-Baldur" beschäftigt war, im Jahre 1955 Schützenkönig wurde. Er nahm Lina Kramer - Frau des Schriftführers Fritz Kramer - zu seiner Schützenkönigin. 1956 wurde der infolge von Franz Bröskamps Demission vom Hauptfeldwebel zum Major aufgerückte Meisterhauer der Schachtanlage Fürst Leopold-Baldur, Alois Häming, Schützenkönig. Er nahm die Ehefrau des Schützenkönigs von 1955, Frau Johanna Botterbrod, zur Schützenkönigin.

Bild folgt

Das neue Königspaar 1956: Hanni Botterbrod und Alois Häming, Bürgermeister Paul Schürholz

Die Regelung, den inzwischen als Protokollführer gewählten Werner Kunkel als Thronoffizier einzusetzen, der zusammen mit Peter Knopp das Geschehen am Thron regeln und den vom Vereinswirt gestellten Thronkellnern auf die Finger zu schauen, hat sich sehr bewährt. Einige von ihnen neigten nämlich dazu, in den beginnenden Morgenstunden, wenn eine gewisse "Bierseeligkeit" eingetreten war und die Aufmerksamkeit nachließ, noch fast halbvolle Bowletöpfe abzuräumen und unnötigerweise mit gefüllten zu erscheinen. So etwas puschte die Thronrechnung natürlich hoch. Festzustellen bleibt, dass die finanziellen Zuschüsse der Königspaare zur Begleichung der Thronrechnungen durchaus im Rahmen des Erschwinglichen lagen, weil durch den Thronobolus für jede Person und den Zuschuss des Vereins ein ganz hübsches Sümmchen zusammen kam. Obwohl nun die Erfahrung da war, dass das "Königsein" bei den 53ern keinen finanziellen Aderlass bedeutet, war der Vorstand im Jahre 1957 gefordert, Anwärter auf den Königsschuss mobil zu machen. Er wollte auch nicht einen schon vorher ausgeguckten König wie ein Lämmchen zur Schlachtbank führen, sondern mehrere echte Rivalen um die Königswürde präsentieren. Glücklicherweise fand sich am Montagmorgen der mit seinem Bruder Hans auf der Borkener Straße ein Elektrogeschäft führende Ludwig Badenhausen an der Vogelstange auf dem alten Sportplatz ein. Nach gutem Zureden gesellte er sich zu den 3 bereits gefundenen Bewerbern.

Bild folgt

Königsschießen 1957

Nachdem der hölzerne Vogel seiner Insignien mittels Kleinkalibermunition beraubt war, losten die 4 Anwärter die Reihenfolge des Schießens mit schwerer Munition aus und wurden mit der Blaskapelle vom Zelt zur Vogelstange geleitet, wo nach den Ehrenschüssen der Geistlichkeit und des Bürgermeisters der Wettkampf begann. Es gab jeweils nur einen Schuss in jedem Durchgang. Niemand konnte "mal aussetzen" oder jemand "so eben mal einen Schuss zwischendurch" machen. Das eingedenk der Tatsache, dass in einem Nachbarverein jemand "so 'mal zwischendurch" schoss, den Vogel herunter holte und sich dann schnellstens aus dem Staube machte. Ludwig Badenhausen war ein guter Schütze. Die Zuschauer merken schnell, ob es jemand ernst meint. Lautes Anfeuern und auch Missfallensäußerungen sind die Regel. Obwohl der Vogel noch lange nicht zerrupft war und der Anschein bestand, dass er zur Freude des Schankwirtes Schmitz noch lange nicht "seinen Geist aufgeben" würde, kam ein Aufschrei aus der Menschenmenge. Was war passiert? Ludwig Badenhausen hatte mit Karabiner-Munition die gusseiserne Stange, auf der der Vogel "aufgespießt" war, durchgeschossen. Der Vogel war unten. Der Vorstand war froh. Mit Spannung erwartete die Menge im Zelt, wen er wohl als Königin nehmen würde. Es war die Ehefrau von Bernhard Brüggemann, der erst vor kurzer Zeit das "Rittereck" von Boers gekauft hatte, die nun als Inge I. den Verein repräsentierte. Das Ansehen des Vereins wuchs. Die Beziehungen zum Schützenverein Dorf wurden gar freundschaftlich. Josef Keller, der Vorsitzende, verlieh sogar seine Pferde den 53ern zum Schützenfest. Die Abordnungen zu den Krönungsbällen wurden auf 6 Paare beschränkt. Eine Ausnahme bildete von vornherein der Montag von Holsterhausen-Dorf. Dorthin marschierte ein ganzer Schwarm. Zu den Festzügen am Sonntag kamen die "Dörfler" und die "53er" wechselseitig mit einer großen Abordnung, während die anderen Nachbarvereine im Raum Dorsten jeweils eine Fahnenabordnung mit Führungsoffizier entsandten.

Bild folgt

Oberst Karl Werner, Major Alois Häming, Adjutanten Robert Nowroth und Gerd Kruse

Am Montagmorgen des Schützenfestes im Jahr 1958 war der Vorstand etwas ruhiger als in den Jahren vorher. Josef Hortlik, der Geschäftsführer, hatte seinen Kegelbruder Willi Frerick, der an der Borkener Straße ein Haushaltswarengeschäft betrieb, schon vorher "bearbeitet", so dass schon 'mal ein ernsthafter Bewerber sicher schien. Doch dann kam am Sonntag sein Einwand, dass er keine Königin "habe". Der Vorstand machte sich nun flugs daran, hier Abhilfe zu schaffen und fand sie in der sehr attraktiven Frau eines Vorstandsmitgliedes. Diese, ihr Mann und ihre Verwandtschaft richteten sich nun seelisch und moralisch auf das eventuelle Großereignis ein. Wie es das Schicksal will, von den 4 Bewerbern holte Willi Frerick den Rest des hölzernen Vogels von der Stange. Auf den Schultern von starken Schützenbrüdern wurde er auf den Thron im Zelt getragen, wo ihm von Bürgermeister Schürholz nach einer feurigen Rede die Königskette umgehängt wurde. Was dann kam, machte die Vorstandsmitglieder baff. Auf die mit viel Neugier erwartete Frage, wen er als Schützenkönigin an seiner Seite haben wollte, antwortete er: "Frau Lisa Steffen"! Normalerweise eine gute Wahl. Sie war die gut aussehende Frau des Apothekers Werner Steffen, Betreiber der Westfalen-Apotheke. Für die sich nun verschmäht fühlende Frau des Vorstandsmitgliedes war das allerdings verständlicherweise ein Skandal. Das Vorstandsmitglied wollte demissionieren, ihr Vater aus dem Verein austreten. Es bedurfte viel Einfühlungsvermögen und Überredungskunst der anderen Vorstandsmitglieder, den verletzten Stolz etwas zu heilen. Ganz gelang das jedoch nicht. Noch am selben Tage beschloss der Vorsitzende, die Schießordnung daraufhin zu erweitern, dass die Bewerber auf ihrem Anmeldezettel sofort die von ihnen auserkorenen Schützenköniginnen angeben müssen, deren Einverständnis sie persönlich vorher einzuholen hatten. Die später angenommene Änderung der Schießordnung ermächtigte den Vorstand, einen Bewerber wegen eines nicht akzeptablen Königinnen-Vorschlages vom Schießen auszuschließen.

Bild folgt

Königspaar 1958: Willi Frerick und Lisa Steffen

Im Jahr 1958 feiert der Bürgerschützenverein Holsterhausen 53 zum ersten Mal Karneval im Haus Schmitz.

 Bild folgt

v. links: Willi Pieper, Anna Tellner als Funkenmariechen, Fritz Kramer

Nicht nur bei den "Vereinsmeiern" ist bekannt, wie schwer es ist, einigermaßen passable Kandidaten zum Mitmachen beim Königsschießen zu bewegen. Manchmal bleibt dem Vorstand gar nichts anderes übrig, als die Offiziere "ans Portepee zu fassen". So gelang es in 1959, den Hauptmann der 2. Kompanie Alfred Stemmler an die Einrichtung zu bringen, die er in den Jahren zuvor so oft mit aufgebaut hatte. Als Kriegsteilnehmer mit Lametta war er den anderen Mitbewerbern klar überlegen. Er gab dem Vogel den Rest. Es war eine gute Fügung, denn als "Anschläger" auf Fürst Leopold gehörte er zu den Arbeitnehmern. Jubel brandete im Zelt auf, als Maria, der Frau des Friseurmeisters und Fahnenoffiziers der Bataillonsfahne Heinz Kästner, die Krone aufgesetzt wurde. Die Regentschaft dauerte nun allerdings zwei Jahre, weil der Vorstand mit dem Vorstand des Schützenvereins Dorf übereingekommen war, die Schützenfeste nur alle 2 Jahre wechselweise zu feiern, um eine Übersättigung in Holsterhausen zu vermeiden.

Bild folgt

Alfred Stemmler beim Königsschuss 1959

Das Jahr 1961 offenbarte einen Kunstschaffenden, der gewillt war, sein Meisterwerk zu zerstören. Aus gut abgelagertem, zähem Wurzelholz der Körper, gut verleimte Hölzer mit Drahteinlagen die Flügel bildend, aus diesen Materialien hatte der Altgeselle der Tischlerei Kraushaar, Gustav Löbardt, alle Jahre die stolzen Vögel geschaffen. Auch dieser Vogel hielt sich lange auf der Stange. Sehr zur Freude des Festwirtes, der auf einen guten Umsatz aus war. Gustav Löbardt gab seinem Kunstwerk den Rest und seinen Mitbewerbern das Nachsehen. Mit Elisabeth I. Cirkel, eine geborene Rasche vom "Blauen See", nahm er sich eine allseits wohlgelittene Mitregentin. Sehr zum Missfallen des damaligen Dechanten und Pfarrers von St. Bonifatius Heinrich Wehninck hatte die Mitgliederversammlung beschlossen, die Schützenfeste auf die jeweiligen Pfingsttage zu legen. Dessen ungeachtet erschien er zum Ehrenschuss vor dem Königsschießen und auch am Montagabend zum Krönungsball. Eine vom Vorstand im Zelt veranstaltete "Kollekte" zu Gunsten von farbigen Fenstern in der neu errichteten Pfarrkirche erbrachte eine respektable Summe und beim "Viereckigen", wie er respektlos auch genannt wurde, einige Pluspunkte.

Bild folgt

v. links: Alfred Stemmler, Maria Kästner, Gustav Löbardt, Elisabeth Cirkel und Hans Cirkel

Im Jahre 1963 hatte Klaus Koch, der wegen einer mehrjährigen beruflichen Weiterbildung für 2 Jahre den Vorsitz an Bernhard Brüggemann abgegeben hatte, die Leitung der Vereins wieder übernommen. Nun hatte sich eben dieser Bernhard Brüggemann, von seiner Heimat um Münster, dem Schützenwesen ohnehin zugetan, auch zum Wettkampf um die Königswürde gemeldet. Mit Helga Badenhausen, die an der Borkener Straße ein Textilgeschäft betrieb, meldete er eine gut aussehende und angesehene Mitregentin an. Was war zu tun? Die Namen Brüggemann und Badenhausen waren doch 6 Jahre vorher als Königspaar in aller Munde. Doch Prinzipienreiterei war hier fehl am Platz. Die Vorstandsmitglieder rannten ja schon Tage vorher herum, um überhaupt einige Mitglieder als Wettbewerber zusammen zu bekommen. Hatte man einen nach ein paar Bierchen soweit, dass man meinen konnte, er macht mit, kam dessen Frau oder Freundin, zog ihn an der Jacke und sagte mit drohend erhobenem Zeigefinger: "Männeken, untersteh dich!" Nach einem fairen Wettkampf holte Bernhard Brüggemann mit seinem 90. Schuss den Rest des Vogels von der Stange und der Verein hatte mit Bernhard II. und Helga I. ein sehr reputierliches Königspaar.

Bild folgt

Helga II. Badenhausen, Bernhard Brüggemann, Gustav Dahl


Vorausschauend sorgte der Vorstand dafür, dass kein König "den spendablen Max" herauskehrte. So galt zum Beispiel bei den Thronabordnungen zu den anderen Krönungsbällen die Regel, dass das Königspaar für sein Gefolge nur eine Runde ausgeben durfte. Für sogenannte "Schluckspechte" wäre also ein Mitgehen nicht besonders ergiebig gewesen.

Am Pfingstmontagmorgen des Jahres 1965 schauten sich die Vorstandsmitglieder recht belämmert an. Es war noch kein ernsthafter Bewerber namhaft gemacht worden. Nach 2 Stunden intensiver "Bearbeitung" fanden sich zwei. Ein Dritter wollte wohl mitmachen, obwohl er "krankfeierte". Doch dann hatte er keine Königin. Die Zeit drängte. Um aus der Misere heraus zu kommen, sagte Hans Ebbert, der inzwischen stellvertretender Geschäftsführer geworden war: "Dann frage ich meine Frau Leni." Dem Vorsitzenden schienen nur 3 Wettbewerber zu wenig. Nach Hans Ebberts Zusage, dass er auch ihm seine Frau an die Seite stellen würde, war Klaus Koch der 4. Kandidat. Ernstlich hatte er gar nicht die Absicht, den Vogel schon jetzt herunter zu holen, denn der Vorstand muss immer noch Notstopfen "in Petto" haben. Wie durch ein Wunder meldeten sich noch 3 Mitbewerber. Mit 7, so schien es dem Vorsitzenden, ist die Möglichkeit, dass der Rest des Vogels bei einem unplatzierten Schuss fällt, relativ gering. Doch er hatte die Rechnung ohne den Schießmeister gemacht. Als die Reihe an Klaus Koch kam und nur noch eine ganz kleine Holzscheibe den Stahlstift umklammerte, lud er an Stelle einer Patrone mit einer Stahlkugel eine solche mit grobem Schrot. Jetzt hätte auch ein Blinder getroffen. Großer Jubel brandete im Zelt auf, als der sehr attraktiven und zu jedermann freundlichen "Leni" Ebbert als Helene I. vom Bürgermeister die Königinnenkrone aufgesetzt wurde. Das Zelt war rappelvoll, als der stellvertretende Vorsitzende Bernhard Botterbrod an Stelle von Klaus Koch die Königspaare der Nachbarvereine begrüßte und für deren Erscheinen dankte.

Bild folgt

Das neue Königspaar Klaus Koch und Leni Ebbert beim Throntanz

Um das Vereinsleben in Gang zu halten, wurden neben Karnevalsfeiern und Vereinsschießen in jedem Jahre, in dem kein Schützenfest war, ein sogenanntes "Sommerfest" veranstaltet. Es ging zu gepflegten Gaststätten in der weiteren Umgebung, die meistens das Festausschussmitglied Georg "Schorsch" Schranner in seiner Eigenschaft als Rohprodukterhändler ausgekundschaftet hatte. Dank der fleißigen Bezirkskassierer wie Franz und Johann Grunau, Josef Wiche, Willi Pieper, Felix Branse und so weiter waren die Karten für die Plätze in meistens 4 Omnibussen schnell verkauft. Die Veranstaltungen, beginnend am frühen Nachmittag, fanden viel Anklang. Zu dem jetzigen Golfhotel Klump in Voshövel ging es mehrmals.

 

Der Pfingstmontagmorgen des Jahres 1967 brachte insofern eine Überraschung, als sich als erster Bewerber um das Königsschießen der Hauptmann der 1. Kompanie Josef "Sepp" Frank meldete. Sepp Frank ging zielbewusst ans Werk. Wie es der Deubel will, er holte den Rest des Vogels von der Stange.

Bild folgt

v. links: Major A. Stemmler, Oberst K. Werner, Adjutant G. Boers, Doris Rautzenberg, und Sepp Frank

Der folgende Tag war der 17. Juni, ein Feiertag zur Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR im Jahre 1953. Fast ein Dutzend Herren des Dorstener Tennisclubs, deren Frauen auf einem Ausflug waren, rissen vor Staunen fast die Mäuler auf, als die Stimmung hochkochte und sich mehrere hundert Besucher, unter Anführung des Königspaares, fast eine halbe Stunde mit einer Polonaise durch das Zelt schoben. Der Geschäftsführer Hermanns von der Rose-Brauerei und auch Arnulf Rose selber bekamen glänzende Augen und sagten, sie hätten so etwas noch nicht gesehen. 1967 wurde Karl Werner als Oberst in einem offiziellen Rahmen nach dem Krönungsball verabschiedet und zum Ehrenoberst ernannt. Als Nachfolger wurde auf der Jahreshauptversammlung 1968 Hans Cirkel zum Oberst ernannt.

Bild folgt

Der scheidende Oberst Karl Werner, der neue Oberst Hans Cirkel

1969 war es der Schriftführer leid, immer nur den "Wasserträger" zu spielen und vor anderen Männekes zu machen. Er selber wollte 'mal als höchste Instanz des Vereins gehuldigt werden. Fritz Kramer sicherte sich die Zusage von "Anni" Tellner, Ehefrau von Günter Tellner, der dem Verein in verschiedenen Funktionen schon treue Dienste geleistet hatte. Jahrelang darum bemüht, anderen die geladenen Gewehre anzureichen, trat er nun selber zum Wettkampf an. Als nach hartem Ringen der Rest des Vogels fiel, gratulierten ihm seine Mitbewerber aus ehrlichem Herzen. Fritz Kramer war tief gerührt, als ihn der Bürgermeister zum Schützenkönig Friedrich I. ausrief und lauter Beifall brandete auf, als sich seine hübsche Königin zur Proklamation und Fotoaufnahme zu ihm gesellte. Es war ein Königspaar, mit dem der Vorstand sehr zufrieden sein konnte. Es gab keine Querelen.

Bild folgt

v. links: R. Tellner, W. Tellner, Lina Kramer, Günter Tellner, Anni Tellner, Fritz Kramer, G. Althoff, W. Althoff, B. Hüsken, D. Hüsken, G. Schranner, H. Cirkel

 

Am 15. März 1970 verstarb der langjährige Geschäftsführer Josef Hortlik und Hans Ebbert übernahm seine Tätigkeit.

Peter Knopp hatte Erfahrung im "Königsein". Bereits vor Gründung der 53er hatte er als "Trommler" des Spielmannszuges Dorsten-Hardt beim Schieß-Wettkampf auf der Hardt mitgemacht und den Rest des Vogels herunter geholt. Nun war er schon seit 1954 auf dem Thron des Bürgerschützenvereins Dorsten 1953 e.V.. Zeit für ihn, so meinte er wohl, auch hier 'mal den Schützenkönig zu machen. Peter Knopp war ein sehr liebenswerter Mensch. Doch es war schwierig für ihn, eine geeignete Königin zu finden. Als er bei seiner Anmeldung Maria Frank, die Frau von "Sepp" Frank, als mögliche Königin aufgeführt hatte, erweckte das beim Vorstand nicht nur reine Freude, denn Maria Frank war ja noch bis 1969 Prinzgemahlin. Wie es der Zufall will, Peter Knopp wurde im Jahre 1971 Schützenkönig und Maria Frank als Maria II. seine Schützenkönigin. Es gab keine überschäumende Begeisterung im Zelt, wohl auch deshalb, weil Peter noch auf der Hardt wohnte und der Festausschuss bei der Schmückung des Hauses etwas ins Schwitzen kam.

Bild folgt

Auch Pastor Lackmann verfolgt das Königsschießen der 53er

Das Jahr 1973 sah unter den Bewerbern um die Königswürde auch Gerhard Rautenberg. Dieser war schon 1964, als Alfred Stemmler Major und Günter Tellner als Oberleutnant dessen Adjutant wurde, an Stelle von Robert Nowroth als Hauptmann Adjutant des Obersten Werner geworden. Damit endete auch die Periode der Reiterei, weil die Vorgenannten des Reitens unkundig waren. Nunmehr Adjutant des einige Jahre vorher neu gewählten Obersten Hans Cirkel strebt er der höchsten Weihe zu, die der Verein zu vergeben hatte. Auf seinem Anmeldezettel stand als Königin: Maria Vadlja. Der Vorstand war verdutzt. Niemand kannte sie. Doch dann kam sie, eine sehr ansehnliche Person. Leider kam sie aus Recklinghausen, was eigentlich nicht schlimm, nur etwas weit weg war. Die Schießordnung gab nichts her, was einen Ausschluss gerechtfertigt hätte. Mit dem Reifenhändler Emil "Jo" Hense, dem Metzgermeister Hans Nießner und dem Fahrsteiger Heinz Ritter meldeten sich noch 3 sehr reputierliche Mitbewerber. Lautes Händeklatschen empfing die 4 Kontrahenten, als diese den abgesperrten Schießstand erreichten. Es ging entsprechend der ausgelosten Reihenfolge sofort in die Vollen. Kommentator über einen Lautsprecher war der witzige Kurt Ponzle. Die mehreren tausend Zuschauer hatten ihren Spaß und feuerten ihre Favoriten lautstark an. Der Vorsitzende, der noch nie ein so gutes Quartett an der Vogelstange begrüßen konnte, dachte schon an die Zukunft. Er zupfte Gerd Rautenberg und sagte: "Gerd, halte dich 'mal ein bisschen zurück!" Doch der ließ sich nicht bremsen und legte ein Handtuch unter die Uniformjacke um den Rückstoß des Gewehrs zu dämpfen. Hans Nießner, der Jäger war, fühlte sich wohl vom Ehrgeiz gepackt. Jeder Schuss saß. Genauso bei Gerd. Der Vogel war von besonders guter Qualität und erwies sich als sehr zählebig. Jedoch mit dem 252. Schuss war auch der Rest unten. Die Proklamation durch den Bürgermeister Hans Lampen lief in der gewohnten Weise ab. Zwar gab es keine überschäumende Begeisterung, doch auch Maria III. Vadlja wurde herzlich angenommen.

Bild folgt

v. links: G. Tellner, A. Stemmler, H. Cirkel, J. Heißler, Maria Vadlja, Gerd Rautenberg, Hans Heißler

Am 30.01.1974 verstarb der Ehrenoberst Karl Werner.

Auf Vermittlung des ehemaligen "Mariners" Emil (Jo) Hense hatte der Verein das Marineorchester aus Wilhelmshaven für die Festmusik in 1975 engagiert. Es waren exzellente Musiker. Mit ihnen waren etliche Marine-Offiziere, die schon am Sonntag Gäste auf dem Thron waren. Jo Hense erzählte, dass der Vizeadmiral Rogge ihm die Ehre gegeben habe, in seinem Hause zu übernachten. Pfingsten war schönes Wetter. Es waren viele Leute auf den Beinen. Der Vorstand war sehr froh, als sich Heinz Ritter am Montagmorgen wieder zu den Bewerbern gesellte. Viel Volk amüsierte sich, da der Kommentator Kurt Ponzle die einzelnen Schützen mit launigen Sprüchen begleitete. Auch Kumpels von Fürst Leopold feuerten Heinz Ritter lautstark an, der mit dem 111. Schuss dem Vogel den Rest gab. Ein freudiges "Aah, ohh" erfüllte das Zelt, als der Vorsitzende das Geheimnis lüftete, wer wohl die Schützenkönigin sein würde. Es war Frau Schweers als Helga II.. Die Proklamation zog sich lange hin.

Bild folgt

v. links: Marga Ritter, Hugo Schweers, Helga Schweers und Heinz Ritter

Am Nachmittag hatte sich eine mehrere tausend köpfige Menschenmenge im Karree auf dem alten Sportplatz aufgestellt, um das Defilieren des Königspaares vor dem angetretenen Bataillon zu sehen. Ungewöhnliches musste geschehen sein, denn man wartete vergebens auf das Eintreffen des Königspaares. Des Rätsels Lösung kam per Hubschrauber. Von einem anwesenden Mariner, der per Funk mit dem Hubschrauber Kontakt hielt, erfuhr man, dass das Königspaar entführt worden sei und erst mit der Übergabe von 4 Hektolitern Bier ausgelöst werden könne. Na ja, dachte der Vorstand, das ist ja ein netter Gag, war aber nicht breit, der Forderung nachzugeben. Der Hubschrauber entfernte sich und das Königspaar konnte Dorsten in aller Ruhe aus der Vogelperspektive betrachten. Währenddessen wurden die Gesichter der Vorstandsmitglieder immer länger. Die Offiziere murrten. Die 53er, deren Stolz auch darin bestand, die in den Programmen genannten Zeiten exakt einzuhalten, sahen sich düpiert. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens wanderten schon Zuschauer ab. Hans Ebbert, der den 1969 gestorbenen Josef Hortlik als Geschäftsführer abgelöst hatte, bot den Entführern 2 Hektoliter Bier und die Einladung einer Marineabordnung auf dem Thron beim Krönungsball an. Bald darauf rauschte der Hubschrauber heran, setzte auf und aus einer mit herumwirbelnden Gräsern angereicherten Staubwolke erschien mit strahlenden Gesichtern unser so sehnlichst erwartetes Königspaar. Der Vorstand empfand das Ganze gar nicht so spaßig. Erst am späten Abend war der Unmut weitgehend verraucht.

Bild folgt

Mit diesem Hubschrauber wurde das Königspaar Heinz Ritter und Helga Schweers zur Parade eingeflogen

Im September 1976 feierte die Stadt Dorsten die Verleihung der Stadtrechte durch Erzbischof Konrad von Hochstaden im Jahre 1251. Im März des Jahres traten offizielle Vertreter der Stadt an die "Arbeitsgemeinschaft der Schützenvereine der Stadt Dorsten" heran. Diese hatte sich am 28 Januar 1976 im Hotel Einhaus gegründet und auf Vorschlag des Vorsitzender der Altstadtschützen Dr. Busjan den Vorsitzenden der 53er Klaus Koch als Koordinator gewählt. Stellvertreter wurde der Vorsitzende und Schützenoberst des Schützenvereins Rhade Franz Schulte und Geschäftsführer der damalige 2. Vorsitzende der Altstadtschützen Hermann Rüping. Die Arbeitsgemeinschaft sah sich vor ihre erste große Aufgabe gestellt. Sie akzeptierte, den ersten Tag der Jubiläumswoche, den 18. September 1976 ohne Zuschüsse in eigener Regie zu gestalten. Während der vorbereitenden Sitzungen kamen die Delegierten der Arbeitsgemeinschaft überein, dem Vorschlag des Vorsitzenden zu folgen und nicht nur eine Abendveranstaltung in der als Festhalle umfunktionierten Tennishalle auf dem Gelände Maria Lindenhof durchzuführen, sondern schon am Nachmittag etwas ganz Neues im Zeitgeschehen der Stadt Dorsten ablaufen zu lassen, nämlich ein Schießen um die Würde des "Stadtschützenkönigs". Anwärter sollten die amtierenden Schützenkönige der Vereine sein. Für St. Marien, erst im Jahre 1975 gegründet und noch ohne Schützenkönig sollte der 1. Vorsitzende Adolf Wissing antreten. Um 14 Uhr begann unter Leitung des Vorsitzenden der Fachschaft Schießen, Fritz Kramer, auf dem Gelände Maria Lindenhof das Schießen um die Stadtschützenkönigswürde. Daran beteiligt waren nur die 12 Schützenkönige, darunter natürlich auch Heinz Ritter. Nach Ehrenschüssen vom damaligen Bürgermeister Lampen und Stadtdirektor Dr. Zahn traten die Wettbewerber in der zuvor ausgelosten Reihenfolge an. Begleitet von den Anfeuerungsrufen seines starken Anhangs holte Johannes Heming im 11. Durchgang den Rest des zähen Vogels von der Stange. Mitregentin wurde absprachegemäß seine Schützenkönigin von Hervest-Dorf, Gerda Kastner. Heinz Ritter ging leider leer aus. Während der für das Antreten und die Formierung des Festzuges verantwortliche Major der Altstadt, Friedhelm Koepe, seines Amtes waltete, konnte Heinz Ritter voll Stolz sehen, dass neben seiner attraktiven Königin Helga II. (Schweers) fast das ganze Throngefolge erschienen war und mit ihm viele Mitglieder. Tausende von Zuschauern erfreuten sich an dem imposanten Bild, als der Festzug von rund 700 Schützen aus 13 Vereinen mit 30 Fahnen, acht Musikkapellen mit 225 Musikern und 11 Schützenkönigspaaren vorbeizog und dem neuen Stadtschützenkönigspaar huldigte.

Dass die Herzen der Vorstandsmitglieder von Schützenvereinen vor Freude hüpfen, weil sich so viele Bewerber für das Königsschießen melden, ist wohl eine echte Seltenheit. All diejenigen, die oft laut tönen: "Da müssen 'mal andere ran", sind wenigstens so lange nicht zu sehen, wie das Schießen mit schwerer Munition noch nicht begonnen hat. So auch in 1977. Wie immer, so hatte der Vorstand als "Mutmacher" agiert und 2 - 3 Interessenten gefunden, als Egon Tellner kam. Der war zwar noch nicht im Verein, doch nun mussten alle Regularien hintanstehen. Flugs wurde er rückwirkend zum 1. Januar aufgenommen. Was konnte dem Verein Besseres passieren. Die Tellners waren in Holsterhausen eine Dynastie. Zumal war Egon Tellner Vorsitzender des schon damals hoch angesehenen Holsterhausener Carneval-Clubs. Platzpatronen waren verboten. Die Reihenfolge musste während des Schießens eingehalten werden. War es glücklicher Zufall oder die lenkende Hand von Fritz Kramer und seines Gehilfen Siegbert Kremser, die Egon Tellner zum Schützenkönig werden ließen?

Bild folgt

v. links: Helga Schweers, Heinz Ritter, Egon Tellner, Lydia Bernhardt

Bürgermeister Hans Lampen ließ es sich nicht nehmen, die Königspaarproklamation bei den 53ern persönlich durchzuführen. Als Egon Tellner schon oben auf dem Thron bereit stand, wartete die Menschenmenge gespannt auf den Namen der Königin. Der Vorsitzende trat ans Mikrofon und sagte: "Die Königin ist", dann machte er eine Kunstpause und merkte wie die Spannung stieg, "die Königin ist Lydia Bernhardt!" Viele wussten mit dem Namen nichts anzufangen und rätselten. Doch dann schritt die genannte Dame die Treppe hinauf und Beifall brandete auf - "ganz attraktiv", fanden die Männer. Der Verein hatte einen Vertrag mit einem anderen Zeltwirt, der auch die Lautsprecheranlage zu stellen hatte. Leider hatte diese ihre Tücken, so dass die Musiker der bekannten Blaskapelle "Siebenbürger Sachsen" aus Herten (obwohl 17 Mann) sich sehr anstrengen mussten, um ihre Musik überall in dem großen Zelt hörbar zu machen. Das Ausfallen der Lautsprecheranlage förderte eine von Hektik freie, wirklich gemütliche Stimmung und hatte außerdem den Vorteil, dass man sich mit dem am Tisch gegenüber Sitzenden ohne zu schreien unterhalten konnte. Auch diese Thronbesetzung zeigte, dass sie sich den Prinzipien "Ordnung, Einigkeit und Frohsinn" verpflichtet fühlte. Wie in den Vorjahren gab es keine Ereignisse, die den guten Ruf des Vereins hätten schädigen können.

Im Jahr 1977 wurde Oberstabsarzt Heinrich Kästner als erstem Vereinsmitglied die Ehrenmitgliedschaft mit einer Urkunde überreicht.

Infolge einer Erkrankung legte Klaus Koch im Januar 1978 unversehens den Vorsitz nieder und schlug Fritz Kramer für die Jahreshauptversammlung als seinen Nachfolger vor. Unter der Versammlungsleitung von "Jo" Hense, der ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen auf eine Wiederwahl zum 2. Vorsitzenden verzichtete, wurde Schützenkönig Egon Tellner zum Wahlleiter gewählt. Dabei kam es zu einer Stichwahl zwischen Bernhard Botterbrod und Fritz Kramer. In geheimer Abstimmung erhielt Fritz Kramer die Mehrheit der Stimmen. In offener Abstimmung wurden einstimmig Heinz Ritter zum 2. Vorsitzenden, Hans Ebbert zum Geschäftsführer, Friedhelm Winkels zum Schatzmeister, Werner Kunkel zum Protokollführer und Helmut Nösel zum Schriftführer gewählt. Traditionsgemäß feierten die 53er im Schützenfest-freien Jahr das Sommerfest. Diesmal fuhr man mit 4 Bussen zum Hof Hecheltjen in Hamminkeln. Die "Erler Jäger" unterhielten die angereiste Schützenfamilie musikalisch, während das HCC-Ballett mit den dargebotenen Tänzen ein Augenschmaus besonders für Männeraugen war.

Pfingsten 1979 nahmen sich die 53er Großes vor. Mit gewachsenem Selbstbewusstsein wollte man das 25-jährige Vereinsbestehen feiern. Die Festtage begannen, wie gewohnt, mit dem Gang zum Ehrenfriedhof. Im Rondell der Soldatengräber gedachte 2. Vorsitzender Heinz Ritter der Gefallenen und der verstorbenen Vereinsmitglieder. Die Gedenkrede hielt Pfarrer Rienäcker. Die Schützenkapelle Rhade und der MGV Sangeslust Holsterhausen umrahmten die Gedenkstunde musikalisch. Nach dem Biwak beim Schützenkönig marschierte die Schützenformation geschlossen zur Bonifatiuskirche, wo unter der eindrucksvollen Mitwirkung des MGV Sterkrade das Ostersonntaghochamt stattfand. Höhepunkt des silbernen Jubiläumsfestes war am Nachmittag nach der Parade vor allen Königspaaren und Thronpaaren die von Pastor Lackmann vorgenommene Weihe der neuen Bataillonsfahne. Diese Fahne wurde vom Thronherren Werner Szymanski gestiftet, entworfen von Werner Kunkel und gestickt von der Bocholter Ordensschwester Inberta.

Bild folgt

Der Spender der neuen Bataillonsfahne Werner Szymanski mit Schwester Inberta, Emil Radzanowski und Fritz Kramer

Zuvor begrüßte Oberst Hans Cirkel die Abordnung des Brudervereins Holsterhausen-Dorf und die angetretenen Fahnenabordnungen der Nachbarvereine, die sich aktiv bei der Fahnenweihe beteiligten. Leider endete später der lange Festzug in einem gewaltigen Gewitterschauer. Während das erste Drittel der Festzug-Teilnehmer noch trocken das Zelt erreichte, war das letzte Drittel bis auf die letzte Textilfaser durchnässt. Pfingstmontag begann pünktlich das Königsschießen mit fünf Anwärtern. Zuvor bewiesen Weihbischof Wöste, die Pastoren Lackmann und Rienäcker wie auch Bürgermeister Bernhard Loick ihre Treffsicherheit. Wie immer verfolgten mehrere tausend Zuschauer den Kampf um die Königswürde. Glücklicher und jubelnder Schütze mit dem letzten Schuss war "Schorsch" Sendker. Zu seiner Mitregentin erkor er sich Waltraud Löbardt. Bürgermeister Loick hatte alle Mühe, bei dem großen Gedränge auf dem Thron die Proklamation des neuen Königspaares vorzunehmen.

Bild folgt

v. links: Waltraud Löbardt, Georg Sendker, Anneliese Sendker, Gustav Löbardt

In der Jahreshauptversammlung 1980 wurde der amtierende Vorstand wiedergewählt. Nur bei einem Thema gingen die Meinungen stark auseinander: Sommerfest im Zelt auf dem eigenen Schützenfestplatz oder - wie gehabt - Familienausflug. Die Mehrheit entschied sich nach längerer Diskussion für die Auffassung von Hans Ebbert, dass die Aufstellung eines kleineren Zeltes nicht durchführbar sei. Somit wurde "Haus Hambrock" bei Rhedebrügge als Reiseziel bestimmt. Bei der Frage, ob das Schützenfest von Pfingsten auf ein anderes Wochenende gelegt werden sollte, gab es schnell eine Mehrheit mit der Feststellung, beide Holsterhausener Schützenvereine sollten die Pfingstfeiertage "gepachtet" halten, für den Verbleib zu Pfingsten.

Über 300 Angehörige des Schützenvereins fuhren in 5 Bussen nach Rhedebrügge. Die "Erler Jäger" und die "Stimmungsmacher" aus eigenen Reihen: Lydia Bernhardt, Kurt Ponzle, Helmut Naschwitz und Hugo Schweers sorgten dafür, dass der Frohsinn an erster Stelle stand.

Selbstverständlich war das Schützenfest 1981 das Hauptthema der Jahreshauptversammlung. Auch wenn man der Meinung war, an alles gedacht zu haben, steht jeder Vorstand unter großem Stress. Nach bekanntem Ablauf bei sonnigem Pfingstwetter: Samstag die Totengedenkfeier am Waldfriedhof und Sonntagmorgen vor dem Hochamt in der Bonifatiuskirche nach dem Biwak bei Schützenkönig "Schorsch" Sendker. Vorsitzender Fritz Kramer ehrte vor Beginn des Festumzugs die silbernen Königspaare Bernhard Botterbrod/Lina Kramer (1955/56) und Alois Häming/Johanna Botterbrod (1956/57) mit der Übergabe von silbernen Ehrentellern. Danach formierte sich der Festzug mit einer besonders starken Beteiligung des Brudervereins Holsterhausen-Dorf. Der Pfingstmontag zeigte sich weiter in sonniger Laune. Schnell war der Festplatz bevölkert. Heinz Ritter übernahm, mit einem Mikrophon ausgerüstet, mit humorigen Worten die Moderation. Mit sechs Königsanwärtern war das Königsschießen bestens besetzt. Zuvor gaben Bürgermeister Hans Lampen, die Holsterhausener Bundestagsabgeordnete Agnes Hürland und die Pastoren Lackmann und Rienäcker Ehrenschüsse ab. Unter den sechs Königsanwärtern hatten sich zwei Neubürger "zugesellt", deren Konkurrenten waren versierte Schützen: Bernhard Botterbrod jr., Hartmut Pramschiefer, Bruno Prost und Günter Tellner. "Fahrkarten" wurden nicht geschossen, sondern Stück für Stück des Holzvogels "abgespant". Die Frage war, wer ist der Glückliche in der Reihenfolge, der den Rest von der Stange holt. Das konnte Reinhard Rütten sein. Der Jubel der Zuschauer brannte bei seinem Schuss auf und verstummte genau so plötzlich, denn da war doch tatsächlich ein Holzfetzen hängen geblieben. Wer war der nächste Schütze? Nur nicht die Nerven verlieren, beruhigte sich Rainer Kotus, drückte ab und durfte als Rainer I. bejubelt werden. Zur Mitregentin wählte er Heidi Rütten. Dass auf dem Krönungsball der Schlager "Heidi, Heidi, deine Welt sind die Schützen" zum Gassenhauer wurde, lag auf der Hand.

Bild folgt

v. links: Bürgermeister Hans Lampen, Heidi Rütten, Rainer Kotus, Monika Kotus, Reinhard Rütten, Bernd Platte

In der Jahreshauptversammlung 1982 erfolgte unter der Versammlungsleitung von Schützenkönig Rainer I. Kotus die einstimmige Wiederwahl des gesamten Vorstandes. Diesmal spendete die Versammlung dem Vorstand viel Lob für die zielstrebig geleistete Arbeit. Erstmals feierten die 53er ihr Sommerfest mit großer Beteiligung im neu errichteten Saal bei "Fred" Adolf. "Moderator" Kurt Ponzle und Lydia Bernhardt unterhielten mit Wortbeiträgen, das HCC-Ballett und ein eigenes Männerballett brachten zusätzliche Stimmung. Auf Einladung von Oberst Josef Feller überquerten die 53er zur Teilnahme am Umzug der Dörfler mit einer starken Beteiligung (97 Schützen) den Hof Feller. Nach siebenjähriger Leitung der Arbeitsgemeinschaft Dorstener Schützenvereine übergab Klaus Koch dieses Amt an Hermann Rüping, 2. Vorsitzender der Altstadtschützen.

Neben den Vorbereitungen für das kommende Schützenfest gab es bei der Jahreshauptversammlung 1983 eine elementare Diskussion über die "Gleichberechtigung der Geschlechter" beim Königsschießen. Anlass war der starke Mitgliederzustrom jüngerer Frauen. Diesem Umstand wurde zunächst insofern Rechnung getragen, dass sie als geschlossene Gruppe uniformiert mit grünem Rock und weißer Bluse innerhalb der 1. Kompanie eingeordnet werden. Offen blieb, ob die Frauen auch "gleichberechtigt" zum Königsschießen zugelassen werden können, ohne "traditionsgebundene Gepflogenheiten" zu verletzen. War der Vorstand auch auf alle "Eventualitäten" vorbereitet? Diesem Test musste sich der Vorstand am Vorabend des Pfingstfestes stellen. Bei strömendem Regen war der Marsch zum Waldfriedhof nicht möglich. Kurzerhand wurde die Totengedenkfeier im Zelt abgehalten. Erst mehrere LkW-Ladungen Asche machten einen Zugang zum Zelt möglich. Aber schon am nächsten Tag fanden Biwak, der Marsch zur Martin-Luther-Kirche und auch die nachmittägige Parade mit Festumzug bei Sonnenschein statt. Noch strahlender zeigte sich der Pfingstmontag, beste Voraussetzung für ein interessantes Königsschießen. Mit den erfahrenen Schützen Oberst Hans Cirkel, Major Alfred Stemmler, Leutnant Bruno Prost und Unteroffizier Horst Bloch ein Anwärterkreis ohne "zivilen" Einschlag. Zielsicher wurde auch um Sympathie-Rufe geworben. Gerade als man sich nach einer Schießpause auf ein längeres Anwärter-Duell einstellte, fiel nach einem lauten "Kracher", dem 95. Schuss, ein noch üppiger Vogelrest von der Stange. Unter dem Jubel von mehreren tausend Zuschauer schulterten Schützen ihren Oberst und trugen ihn ins Zelt. Bürgermeister Hans Lampen nahm die Proklamation des neuen Königspaares: Hans I. Cirkel und Anneliese I. Ponzle vor.

Bild folgt

Der glückliche König Oberst Hans Cirkel

Nur wenige stellten sich die Frage: "Wer führt jetzt für den in Königswürden stehenden Oberst Cirkel das Bataillon der 53er bei der Parade?" Da stand mit rot-weißem Federbusch am Schützenhut der Oberst der "Dörfler" und übernahm kurzentschlossen in nachbarschaftlicher Hilfestellung dessen Part. Vor der Parade ehrte 1. Vorsitzender Kramer die Silberpaare Ludwig Badenhausen/Inge Brüggemann und Willi Frerick/Lisa Steffen.

Nach zwölf Jahren Führung der Vereinskasse stellte sich Friedhelm Winkels in der Jahreshauptversammlung 1984 nicht mehr zur Wiederwahl. Mit Hugo Schweers als neuer Schatzmeister wurde der amtierende Vorstand wiedergewählt. Erstmals kam der Vorschlag, den Kirchgang von Pfingstsonntag auf den Vorabend zu verlegen. Diese Anregung fand aber nicht die Mehrheit der Anwesenden. Zur Sprache kam auch die bereits im Vorjahr von der Stadt Dorsten in Planung genommene Anlage einer Kleingartenanlage in unmittelbarer Nähe des Waldsportplatzes. Der 2. Vorsitzende Heinz Ritter - zugleich Ratsmitglied - versicherte, dass im Flächennutzungsplan die Gesamtfläche als Freizeitgelände ausgewiesen ist und man deswegen nicht um den Festplatz bangen brauche. Allgemein wurden aber starke Einschränkungen beim Schützenfest befürchtet. Mit Beifall wurde der Beschluss des Schützenvereins Holsterhausen-Dorf zu Kenntnis genommen, künftig die 53er bei Festumzügen und Zeltfesten wie eigene Mitglieder zu vergüten. Im Zeichen der guten Harmonie mit den "Dörflern" wurde gleiches Vorgehen beschlossen. Bei guter Beteiligung und in entsprechend lockerer Stimmung fand das Sommerfest 1984 wieder einmal im "Haus Hambrock" statt. Dabei waren erstmals als Ehrengäste Vertreter unseres Brudervereins Holsterhausen-Dorf anwesend. Fehlen durfte nicht das HCC-Ballett und auch Lydia Bernhardt, die mit Wortbeiträgen zu begeistern wusste. Für die musikalische Umrahmung war die "Schroer-Kapelle" angereist. Am 30. September stellte sich der 2. Vorsitzende Heinz Ritter als Bürgermeisterkandidat der Stadt Dorsten zur Wahl. Kein Grund, um nicht vormittags am Vereinsschießen teilzunehmen, wo er zielsicher mit 47 Ringen in seiner Altersklasse mit Willi Stranimeier den geteilten 1. Platz einnahm.

In Vorstandssitzungen und in der Jahreshauptversammlung 1985 waren neben den Vorbereitungen des Schützenfestes die städtischen Planungen der Kleingartenanlage ernste Gesprächsthemen. Sehr klein war die Minderheit der Befürworter um den 2. Vorsitzenden und Bürgermeister Heinz Ritter, der vergebens darum bat, die einmalige Chance im Zusammenhang mit der Errichtung der Kleingartenanlage ein neues Schießsportheim mit einer 50 m langen vollautomatischen Schießanlage für 10 Kleinkaliber, Luftpistolen und Luftgewehre zu erhalten, die allerdings auch allen anderen Dorstener Schützenvereinen zur Verfügung hätte stehen müssen. Die entsprechenden Haushaltsmittel, auch für Ersatzankauf landwirtschaftlicher Flächen, waren bereits eingestellt. Wegen des starken Widerstandes des Schützenvereins und der Anlieger um die Augustinusstraße verlegte die Stadt die Kleingartenanlage später in den Bereich Heinrichstraße/Bismarckstraße. Das Schützenfest 1985 sollte zu einer würdigen Verabschiedung des amtierenden Königspaares Hans I. Cirkel und Anneliese I. Ponzle werden. Auf allen drei Schützenbällen spielte die weit bekannte Feuerwehrkapelle Gescher auf. Nach einem zünftigen Biwak beim Schützenkönig formierte sich Pfingstsonntagmorgen der Schützenzug zur Bonifatiuskirche. Dort gestalteten der MGV Sterkrade (1. Vorsitzender Kurt Ponzle) unter der Chorleitung von Quirin Rische und die Blaskapelle St. Antonius ein Gefühle bewegendes Festhochamt. Bei strahlendem Sonntagswetter nahmen das scheidende Königspaar mit Hofstaat und das Silberkönigspaar Alfred Stemmler/Maria Kästner die Parade vor dem Festumzug ab. Bei hochsommerlichen Temperaturen gab es Pfingstmontag ein Königsschießen, das jeden guten Krimi in den Schatten stellte. Recht spät wurde Bernhard Botterbrod jr., Heinz Huf, Werner Kunkel und Helmut Naschwitz bewusst, welche Strapazen sie erwarten. Hatte doch Gustav Löbardt einen Vogel aus einer Birnenwurzel geschnitzt, der allen Gewaltschüssen trotzte. Die Idee kam von Bürgermeister Heinz Ritter: Mit einer Bergmannssäge fügte er dem kurzzeitig aus dem Schusskasten herunter geholten widerspenstigen Holzvogel tiefe Kerben bei.

Bild folgt

Fleißige Bergleute beim Sägen 

Trotzdem war der Widerstand nicht gleich gebrochen. Erst nach dem 280. Schuss - inzwischen schon 16.10 Uhr - war das kräftezehrende Ringen beendet und Werner Kunkel, überglücklich aber total erschöpft, wurde ins Zelt getragen. Die Proklamation von Werner I. Kunkel und Anneliese II. Sendker nahm anschließend der "vereinseigene" Bürgermeister Heinz Ritter vor.

Bild folgt

Das Königspaar Werner Kunkel und Anneliese Sendker sowie Silberkönig Gustav Löbardt im Kreise ihrer Offiziere

Danach verabschiedete er unter großem Beifall das scheidende Königspaar Cirkel/Ponzle. Das am folgenden Dienstag für Fletschen benötigte Zielobjekt war wesentlich weicher. "Runkelkönig" wurde Gustav Löbardt, der sich Lydia Bernhard zur Mitregentin nahm.

Einstimmig wurde in der Jahreshauptversammlung 1986 der amtierende Vorstand wiedergewählt. Dies galt auch für Heinz Masuch, der bereits längere Zeit kommissarisch die Schriftführung übernommen hatte. Im Offizierscorps gab es eine Änderung: Nach 32-jähriger Offizierstätigkeit trat Major Alfred Stemmler zurück. Für dieses Amt wurde Günter Tellner gewählt. Oberst Hans Cirkel, Hauptmann Klaus Müther (1. Kompanie) und Hauptmann Bernd Mergen (2. Kompanie) blieben in ihren Ämtern. Abstimmungsprobleme führten dazu, das Sommerfest in den Pausenraum des Schulzentrums an der Pliesterbecker Straße zu verlegen. Das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Dafür sorgte nicht nur das "Thomas-Trio".

Erstmals waren zur Vorparade 1987 als Gäste vom Bruderverein Holsterhausen-Dorf der 1. Vorsitzende mit Oberst und Major anwesend.
Während der Pfingstfeiertage waren die Veranstaltungen Samstag und Sonntag von schönem Wetter begleitet, was besonders der Parade auf dem Festplatz vor dem versammelten Thron mit Königspaar und dem Silberkönigspaar Gustav Löbardt und Elisabeth Cirkel zugute kam. Dafür musste am Pfingstmontag das Königsschießen bei strömendem Regen durchgeführt werden. Nur einige Unentwegte erlebten den Höhepunkt des Festes "live", während man im vollbesetzten Festzelt durch launiges Kommentieren mit einer eiligst beschafften Lautsprecheranlage den aktuellen Verlauf des Königsschießens durch Heinz Ritter verfolgen konnte. An der Vogelstange, unter einem Zeltdach geschützt, kämpften Hubert Bettinger, Hans Kerkziek und Peter Löbardt um den Titel. Nach dem 142. Schuss von Peter Löbardt durfte das trockene Festzelt zur lang ersehnten Proklamation aufgesucht werden. Jetzt waltete Heinz Ritter als Bürgermeister seines Amtes und zeichnete das neue Königspaar Peter II. Löbardt und Monika I. Kotus mit den begehrten Insignien aus. Zuvor wurde dem scheidenden Königspaar Werner Kunkel und Anneliese Sendker für eine erfolgreiche Regentschaft gedankt.

Bild folgt

Das neue und alte Königspaar: v. links Monika Kotus, Peter Löbardt, Werner Kunkel, Anneliese Sendker

Mit einer starken Abordnung beteiligten sich die 53 beim 500-jährigen Jubiläum der Altstadtschützen.

Fritz Kramer wurde am 02.11.1987 in Recklinghausen mit der Verdienstmedaille des Bundespräsidenten durch Landrat Helmut Marmulla für eine jahrzehntelange ehrenamtliche Tätigkeit insbesondere im Westfälischen Schützenbund ausgezeichnet.

In der Jahreshauptversammlung 1988 war man sehr unzufrieden mit der Art und Weise, wie die neue Satzung verabschiedet werden sollte. Man verlangte eine exakte Gegenüberstellung der alten und neuen Satzungsabschnitte und verschob den Satzungsbeschluss auf die nächste Mitgliederversammlung. Trotz dieser Kritik wurde der amtierende Vorstand in der Mehrzahl einstimmig wiedergewählt. Dem Antrag der Damengruppe, eine eigene Damenkompanie bilden zu dürfen, wurde stattgegeben. Fritz Kramer teilte mit, dass sich ein gemischter Schützen-Chor gebildet habe und bat um tatkräftige Unterstützung dieses Vorhabens. Auch das "Thomas-Trio" war dabei, als die Schützenfamilie das Sommerfest im Schulzentrum an der Pliesterbecker Straße feierte. Neben den Ehrengästen der "Dörfler" waren auch St. Marien-Schützen eingeladen. Neben "Profis" unterhielt erstmals der Schützen-Chor mit gängigen Liedern zum Mitsingen.

Nach der Entlastung des Vorstandes in der Jahreshauptversammlung 1989 wurde nach mehreren Anläufen die neue Vereinssatzung verabschiedet. Mit der Wahl von Manuela Husch bekam die Damenkompanie noch rechtzeitig ihren "Hauptmann". Anschließend wurden die Abläufe der Vorparade und des Schützenfestes vorgetragen. Wegen des geringen Zuspruchs des Festballes am Vorabend des Pfingstfestes, sollte diesmal mit "Rio", Europas bestem Elvis-Imitator, die Wende herbeigeführt werden. Tatsächlich schaffte es "Rio" am Pfingstsamstag, das Festzelt mit jungen und "halb-jungen" Elvis-Fans übermäßig zu füllen. Nach dem Biwak im Garten der Königin Monika I. ging es mit Marschmusik in die Martin-Luther-Kirche und anschließend zum Frühkonzert ins Festzelt. Nachmittags huldigten Fahnenabordnungen benachbarter Vereine und Schützenformationen der 53er und der "Dörfler" dem scheidenden Königspaar und Silberkönigin Helga Badenhausen. Pfingstmontag harrte schon unter strahlender Sonne der hölzerne Königsvogel kommender Ereignisse. Mit "Zielwasser" gut versorgt, bahnten sich Rüdiger Knickmann, Bruno Prost, Detlef Radzanowski, Günter und Willi Tellner den Weg zum Tatort.

Bild folgt

Die Königsanwärter 1989 beim Vogelschießen

Routiniert mit lockeren Sprüchen kommentierte Heinz Ritter das Geschehen um die Vogelstange. Nur in den Feuerpausen beruhigten sich die anspornenden Fans, die insbesondere Detlef Radzanowski (BVH) unterstützten. Das war auch sehr nötig, denn nach dem 78. Schuss sah der Vogel noch fast "ungerupft" aus. Doch als man sich schon auf längeres Warten einrichtete, spaltete Major Günter Tellner mit einem wahrhaft prächtigen Königsschuss zur Überraschung aller das Zielobjekt. Durch die jubelnde Zuschauermenge wurde der glückliche Schütze ins Zelt getragen. Dort waltete Bürgermeister Heinz Ritter seines Amtes und nahm die Proklamation des neuen Königspaares Günter I. Tellner und Rachele I. Tellner vor. Anschließend zeichnete er das scheidende Königspaar Peter II. Löbardt und Monika I. Kotus für deren angenehme Regentschaft mit Gedenkmedaillen aus.

Im Vorfeld der Jahreshauptversammlung 1990 gab es intensive Diskussionen über die Nachfolge der sich nicht mehr zur Wiederwahl stellenden Geschäftsführer Hans Ebbert, Schatzmeister Hugo Schweers und Protokollführer Werner Kunkel. Schließlich traute man der Versammlung zu, versierte Nachfolger zu bestimmen. 1. Vorsitzender Fritz Kramer verabschiedete unter starkem Beifall der anwesenden Mitglieder Hans Ebbert, Hugo Schweers und Werner Kunkel und dankte insbesondere Hans Ebbert, der seit 1970 für die Geschäftsführung zuständig war. Die Wahl des neuen Vorstandes ergab folgende Zusammensetzung: 1. Vorsitzender Fritz Kramer, 2. Vorsitzender Heinz Ritter, Geschäftsführer Rainer Kotus, Schatzmeister Rüdiger Knickmann, Schriftführer Heinz Masuch, Protokollführer Winfried Minnebusch. Mit großem Anhang wurde das Sommerfest im großen Saal "Schult" veranstaltet.

Da die Jahreshauptversammlung 1991 nur einige Tage nach dem 70. Geburtstag des 1. Vorsitzenden stattfand, konnte 2. Vorsitzender Heinz Ritter im Auftrage der Vereinsmitglieder Fritz Kramer nachträglich mit anerkennenden Worten für die zahlreichen Funktionen, die er im Verein, in der Schießgruppe und im Westfälischen Schützenbund innehat, gratulieren. Anschließend stellten Fritz Kramer und Rainer Kotus die bereits getätigten Vorbereitungen für das Schützenfest vor. Es stellte sich auch die Frage, welche Konsequenz der Golfkrieg auf unser Schützenfest haben könnte. Eine "zackige" Vorparade am Himmelfahrtstag mit anschließendem großen Biwak waren der Vorgeschmack auf das Schützenfest 1991. Die gute Erfahrung des vergangenen Schützenfestes, dass mit einer "Zugnummer" auch am Samstagabend das Zelt sich "füllen" lässt, bewies Schlagerstar Andreas Martin, der länger als zwei Stunden nicht nur "seine Flügel Feuer" fingen ließ, sondern hauptsächlich die Zuschauerinnen entflammte. Der Pfingstsonntag war dem noch amtierenden Königspaar Günter I. und Rachele I. Tellner, sowie dem Silberkönigspaar Klaus Koch/Leni Ebbert gewidmet. Mit einer beachtlichen Anzahl von Schützen und unter kritischen Blicken der Zuschauer wurden die Zeremonien des Frontabschreitens und der Parade vollzogen. Danach formierte sich der Festumzug durch den östlichen Teil Holsterhausens.

Bild folgt

v. links: Oberst Hans Cirkel, Rachele Tellner, Günter Tellner und Oberst Theo Sellheier vom Bruderverein Holsterhausen-Dorf

Ein seltener Zwischenfall ereignete sich beim Festball. Während des Throntanzes drangen dreiste Altstadt- und Feldmärker Schützen auf den sträflich schlecht bewachten Fahnenstand und entwendeten die Bataillonsfahne der 53er, die schließlich nach eifriger Jagd für 150 Liter Freibier und Racheandrohungen zurück "erobert" wurde. Mit den "Altstädtern" und "Feldmärkern" wurde vereinbart, die 150 Liter Bier gemeinsam im Kolpinghaus zu trinken. Die 53er ließen es sich nicht nehmen, zum "Bieraustrunk" einen Bus anzumieten und mit 70 trinkfesten Schützenbrüdern zum Kolpinghaus anzureisen. Die Altstädter und die Feldmärker waren überaus zahlreich vertreten - mit je 15 Schützen! Natürlich reichten die von den 53ern gespendeten 150 Liter bei weitem nicht aus. Die Gastgeber, Altstadt und Feldmark mussten noch einige Liter drauflegen, damit der Durst der Schützen gelöscht werden konnte. Das Königsschießen am Pfingstmontag fand trotz drohend aufgezogener Wolken vor einer großen Zuschauerkulisse statt. Nach den Ehrenschüssen von MdB Renate Diemers, BM Ritter, Ehrenbürger Hans Lampen und den Pfarrer Diepenbrock und Rienäcker wurden die Königsanwärter Heiner Hertel, Detlef Radzanowski und Werner Szymanski zur Vogelstange geführt. Allgemein wurde die Ansicht vertreten, Gustav Löbardts "Abschiedvogel" wäre leicht von der Stange zu holen. Das war ein glatter Trugschluß, denn der Vogel zeigte sich überraschend widerstandsfähig. "Tore treffe ich leichter, die sind viel größer" entschuldigte Detlef Radzanowski einen Fehlschuss. Angetrieben von lautstarken Zuschauern trudelte Holzfetzen auf Holzfetzen die Vogelstange entlang, aber das Überbleibsel drehte sich weiter im Kreis, die Schützen an den Rand der Verzweiflung bringend. Letztendlich war es eine bescheiden kleine Trophäe, die Detlef Radzanowski mit dem 171. Schuss in Königswürden setzte. Bürgermeister Ritter, eben noch an der Vogelstange das Schießen kommentierend, hatte alle Mühe rechtzeitig in das Zelt zu gelangen, um die Proklamation von Detlef I. Radzanowski und Heike I. Larisch vorzunehmen und den scheidenden Regenten Günter I. und Rachele I. Tellner unter starkem Beifall zu verabschieden. Ein Novum war, dass beim Krönungsball bereits um 21 Uhr alle Sitzplätze vergeben waren und die Eintrittskassen geschlossen werden mussten.

Bild folgt

Der neue Schützenkönig Detlef Radzanowski auf den Schultern seiner Offiziere beim Einzug in das Festzelt

Der gesamte Vorstand wurde in der Jahreshauptversammlung 1992 einstimmig wieder gewählt. Bedingt durch die Wahl von Oberst Hans Cirkel zum Ehrenoberst rückten Günter Tellner zum Oberst und Bruno Prost zum neuen Major auf. Aufgrund langjähriger erfolgreicher Tätigkeit wurde Franz Ferfers und Gerd Rautenberg zum Ehrenhauptmann befördert. Fast 300 Besucher kamen zum Sommerfest in den Saal Adolf, wo das "Thomas Trio" mit einem Alleinunterhalter, dem Schützenchor und dem Offiziers-"Ballett" für Frohsinn und Kurzweil sorgten.

Bereits der Jahreshauptversammlung 1993 lag diesmal eine komplette Planung des Schützenfestes vor, letztlich wollte man das 40-jährige Vereinsbestehen auch deutlich machen. Zweifel wurden nur an der Vertragstreue der "Lustigen Stubaier Schilehrer" wegen ihrer weiten Anreise aus Österreich angebracht. Die Vorparade und anschließendes Biwak fand in vertrauter Umgebung am vergrößerten und sanierten Schießsportheim statt. Der Programmablauf war schon "traditionell": Ohne Änderungen mit Totengedenken am Waldfriedhof und Biwak am Pfingstsonntag beim amtierenden König mit anschließendem Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche. Großer Andrang herrschte beim Frühkonzert schon wegen der "Stubaier Schilehrer", die bereits am Samstagabend kräftig auf die Pauke geschlagen hatten. Höhepunkt war die Ehrung von 39 Jubilaren für 40 beziehungsweise 25-jährige treue Mitgliedschaft. 2. Vorsitzender Heinz Ritter konnte sogar 25 Jubilare begrüßen, die auf eine 40-jährige Mitgliedschaft zurückblicken konnten und zu den Vereinsgründern gehörten. Am Nachmittag bei Parade und Festumzug, sowie Festball stand natürlich das amtierende Königspaar im Mittelpunkt der Begebenheiten. Kurz vor Mitternacht, die "Stubaier" und Schlagerstar "Les Montes" hatten das Zelt in Hochstimmung gebracht, marschierte unvorhergesehen das Hervest-Dorstener Fanfarencorps als frischgebackener Gewinner der Deutschen Meisterschaft unter begeisterten Jubelrufen auf den Thron und spielte mit meisterlichem Können auf. Pfingstmontag wurde der 12 kg schwere, von Gisbert Hoh aus Sipo-Mahagoni gefertigte Königsvogel mit stolzen 110 cm Flügelspannweite bei strahlendem Sonnenschein mit Marschmusik in den Schießkasten gehievt und zum Abschuss freigegeben. Nach altem Brauch wurden erst mit Kleinkaliber die begehrten Trophäen "abgeräumt". Zepter: Stefan Mergen, Krone: Norbert Lampen, Reichsapfel: Daniel de Bur, linker Flügel: Lars Knickmann, rechter Flügel: Markus Futschek. Wer wagte sich nun mit schwererem Kaliber zur Vogelstange? Nach der Mittagspause wurden die mit Spannung erwarteten Namen bekanntgegeben: Dieter Bingler, Bernhard Botterbrod, Bernd Mergen und Rolf Schröter, alles versierte Schützen. 30 Stunden Fertigungszeit und nach nur einer knappen Stunde "volles Rohr" war Bernd Mergen der jubelnde Schütze, der den Rest des Vogelrumpfes herunter schoss. Bernd III., nach Bürgermeisters Worten, "ein König nicht aus dem Adel, sondern einer aus der Holsterhausener Ur-Bevölkerung" nahm sich Heike II. Hensel zur Mitregentin. Heinz Ritter vergaß nicht, Detlef I. und Heike I. für zweijährige Regentschaft bei den 53ern zu danken.

Bild folgt

v. links: Heike Hensel, Bernd Mergen, Adjutant Hermann-Peter Husch, Jürgen Hensel, Mechthild Mergen

Bild folgt

Das Königspaar 1993 mit ihren Thronpaaren

Am 5. Juni 1993 war eine Abordnung Holsterhausener Schützen mit dabei, als auf dem Vorplatz des Geschäftes Honsel an der Freiheitsstraße, in Anwesenheit der Bürgermeister Dorstener Partnerstädte, der von der Steag gesponserte und von dem Raesfelder Künstler Hermann Kunkler entworfene "Partnerschaftsbrunnen" der Stadt Dorsten übergeben wurde.

Fritz Kramer hatte bereits vor der Jahreshauptversammlung 1994 erklärt, aus Altersgründen nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren. Im Vorfeld wurden über seine Nachfolge zahlreiche Gespräche geführt. Um Kampfabstimmungen mit ungewissen Ergebnis zu vermeiden, erklärte sich Heinz Ritter bereit, für eine absehbare Zeit den Vorsitz zu übernehmen, zumal er seinerseits von einer weiteren Bürgermeisterkandidatur Abstand nehmen wolle. Diese Erklärung gab Heinz Ritter auch in der Jahreshauptversammlung ab, bevor er als Nachfolger von Fritz Kramer einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. In das frei gewordene Amt des 2. Vorsitzenden wurde der amtierende Schützenkönig Bernd Mergen gewählt. Mit der Wiederwahl aller weiteren Vorstandsmitglieder wurde das neue Führungsteam komplettiert. Anschließend wurde Fritz Kramer, "Urgestein in Sachen Schützengeist und Schützensport" für 25 Jahre Schriftführer und 15 Jahre 1. Vorsitzender in einer Laudatio von Heinz Ritter mit Urkunde und Blumenstrauß gedankt, bevor ihn die Versammlung einstimmig zum Ehrenvorsitzenden wählte. Im vollbesetzten Saal Adolf wurden beim Sommerfest eine große Anzahl Jubilare für 25- beziehungsweise 40-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt. Für gute Stimmung sorgten Weseler Musikanten, ein aus Bochum angereister Sänger und die Damenkompanie mit Einzeldarbietungen.

Das erste Jahr seiner Vorsitzendentätigkeit habe er sich etwas leichter vorgestellt, berichtete Heinz Ritter in der Jahreshauptversammlung 1995. Einige Missverständnisse führten zu Verstimmungen bei Vorstands- und Vereinsmitgliedern, die aufzulösen waren. Schließlich ist es nicht außergewöhnlich, wenn ein neuer Vorstand einer Einarbeitungszeit bedarf. So wurden für das kommende Schützenfest einige Änderungen diskutiert und auch beschlossen: Während die Totenehrung weiterhin auf dem Ehrenfriedhof neben dem Waldfriedhof stattfinden soll, wird der Kirchgang auf den Samstagabend verlegt und anschließend zu Beginn des Festballs vor dem Zelt der "Große Zapfenstreich" ausgeführt. Im Offizierscorps gab es zwei Änderungen. Hauptmann der 2. Kompanie wurde Jürgen Hensel und die Leitung der Damenkompanie übernahm Monika Kotus. Nicht nur mit der Vorparade, sondern auch mit einer groß angelegten Flugblattaktion, wurde für das Schützenfest, diesmal in Konkurrenz zum Altstadtfest, geworben. Zum ersten Mal wurde ein Schaufenster bei der Firma Honsel mit Schützenvogel, Fahnen, Uniform und weiteren Schützenutensilien dekoriert. Hauptattraktion war das Modell einer über Sensoren gesteuerten Mini-Schützenfestkirmes. Bereits Pfingstsamstag gab es bei der Totenehrung auf dem Ehrenfriedhof , bei der Vorabendmesse in der Bonifatiuskirche unter Mitwirkung des Schützenchores und beim "Großen Zapfenstreich" eine gute Beteiligung. Im Schützenzelt sorgten die wieder verpflichteten "Lustigen Stubaier Schilehrer" und Starsänger Andreas Martin für originelle Stimmung. Am nächsten Tag, nach dem Biwak beim Schützenkönig, marschierte man geschlossen zum Frühkonzert. Neben "einheimischen" Kapellen wurde mit besonderer Herzlichkeit die Stadtkapelle Ernee begrüßt, die zum Altstadtfest aus der Bretagne angereist war. Zu Ehren des Königspaares Bernd III. und Heike II. und den Silberkönigspaaren Fritz Kramer/Anna Tellner und Bernhard Botterbrod/Lina Kramer paradierte das Schützenbataillon der 53er mit den Abordnungen der Nachbarvereine vor den Majestäten und deren Hofstaat. Weiterhin Bilderbuchwetter erwartete die Zuschauer des Königsschießens, wozu sich auch Gäste aus den Partnerstädten gesellten. Und wieder die gestellte Frage: Wer traut sich? Wer macht es? Da waren sechs Anwärter, die gern oder unbedingt Schützenkönig werden wollten: Heiner Hertel, Jürgen Kirsch, Jürgen Oer, Arnold Buras, Wilhelm Stranimaier und Erich Sczesny. Wer damit rechnete, dass sechs Schützen den Königsvogel schnell von der Stange holen, sah sich bald getäuscht. Der Vogel erwies sich nämlich als sehr hartnäckig, auch wenn Treffer auf Treffer ins Gefieder rauschten und für viel Kleinholz sorgten. Ein Streifschuss bewirkte, dass sich der Vogel um 180 Grad drehte und nun den Schützen die noch heile Kehrseite zeigte. Unverdrossen, von Moderator Heinz Masuch angefeuert, bohrte sich Schuss für Schuss in den Torso. Und dann war "Willi" Stranimaier der Glückliche, der mit dem 178. Schuss als Wilhelm II. die Regentschaft über die 53er übernahm. Zur Mitregentin proklamierte der stellvertretende Bürgermeister Friedhelm Fragemann Angelika II. Sczesny.

Bild folgt

Willi, der glückliche König, beim Einzug ins Festzelt

Unter großer Beteiligung der Holsterhausener Bevölkerung fand Parade und Festumzug statt. Beim Krönungsball konnte ein Problem nicht behoben werden: Das Zelt fasste die Besucher nicht. Es war einfach zu klein und der Vorstand musste harte Vorwürfe einstecken. Aufgefallen ist die wesentlich stärkere Beteiligung der eigenen Mitglieder.

Bild folgt

Das Königspaar beim Abschreiten der Front

Ebenfalls nicht genügend Sitzplätze gab es für die Teilnehmer der Jahreshauptversammlung 1996, in der dem Gesamtvorstand für die geleistete Arbeit ein Lob ausgesprochen wurde. Dementsprechend erfolgte die Wiederwahl einstimmig. Selbstverständlich war das letzte Schützenfest, das - trotz Altstadtfest - sich zu einem echten Volksfest mauserte ein Thema. Nochmals wurde das zu kleine Festzelt und der verpatzte "Präsentiermarsch" der "Lustigen Schilehrer" beim Fahnenausmarsch kritisiert. Das Sommerfest im Saal Adolf fand eine so gute Beteiligung, dass Platzprobleme entstanden und der Gedanke an ein Sommerfest im Zelt auf der eigenen Festwiese aufkam.

Der Aufschwung des Stadtteils Holsterhausen ist auch ein Auftrag an den Schützenverein an Belebung und Verschönerung beizutragen, so 1. Vorsitzender Heinz Ritter bei der Jahreshauptversammlung 1997. Dazu gehört auch ein stärkerer Kontakt zu anderen Vereinen. In der Hauptsache kam die Organisation des Schützenfestes zur Sprache. Der gute Werbeerfolg des letzten Schützenfestes wird wiederholt: Schaufensterdekoration bei Honsel und Hauswurf-Handzettelverteilung. War die Vorparade nicht so gut besucht, fanden die Veranstaltungen Pfingstsamstag und Pfingstsonntag den erwartet guten Zuspruch. In der Bonifatiuskirche hielt erstmals Pfarrer Rienäcker (ev) in der Schützenmesse die Predigt. Unter der bewährten Leitung von Werner Wienk trug der Schützenchor zur Mitgestaltung bei. Am Nachmittag des Pfingstsonntags hatten die Schützen Gelegenheit das regierende Königspaar Wilhelm II. Stranimaier und Angelika II. Sczesny und das Jubiläumskönigspaar aus dem Jahr 1957 Alois Häming und Johanna Botterbrod mit Parade und Festumzug zu ehren. Turbulent ging es dagegen am Pfingstmontag zu. Als der Sachverständige des Polizeipräsidenten die Schießanlage freigab, stürzte der Kugelfangkorb mit dem Königsvogel aus großer Höhe mit lautem Krachen auf den Erdboden. Lähmendes Entsetzen. Glücklicherweise war alles glimpflich verlaufen und der zurückgeeilte Sachverständige gab die Anlage zum zweiten Mal frei. Jedoch nur unter der Auflage, die Schießanlage anschließend zu verschrotten. Die Jagd auf die Insignien, eine Domäne der Jungschützen, begann über eine Stunde später. Deswegen wurde auf das Stutzen der Flügel verzichtet. Das Zepter schoß Andre Paschy ab und Marcus Futschek im Doppelpack Reichsapfel und Krone.

Auf diese Weise bekamen die Königsanwärter die unübliche Gelegenheit, den Königsvogel in vollster Spannweite von 106 cm zu bejagen. Heiner Hertel, Jürgen Kirsch, Rainer Kotus, Peter Löbardt und Rolf Schröter zeigten sich vom Vorgeschehen unbeeindruckt und versuchten schnell den Vogel zum zweiten Mal von der Stange zu holen.
Bernhard Heisterkamp sah beruhigt und belustigt zu, welche Standfestigkeit sein erstes "Machwerk" besaß. Fast zwei Stunden dauerte das aufregende Ringen zur allgemeinen Belustigung der Zuschauer, als es Hans-Peter Löbardt gelang, mit dem 252. Schuss des Kaiser-Vogels zu bemächtigen. Weil Hans-Peter Löbardt bereits 1987-1989 Schützenkönig der 53-er war, durfte er sich jetzt der Kaiserwürde erfreuen. Selbstverständlich nahm er sich zur Mitregentin seine damalige "Mitstreiterin" Monika Kotus. Unter nicht enden wollendem Jubel erfolgte die Proklamation des ersten Kaiserpaares.

Bild folgt

Hurra, wir sind ein Kaiserpaar!!!

Zur Vorbereitung der Jahreshauptversammlung 1998 waren wegen der vom Amtsgericht geforderten Modifizierung der Vereinssatzung auch die dadurch entstandenen Konsequenzen in einer Neufassung der Schießordnung zu bearbeiten. Die Stimmung der anwesenden Schützen war gelöst, konnte doch 1. Vorsitzender Heinz Ritter von einem erfolgreichen Geschäftsjahr berichten: Das erste Schützenkaiserpaar, 10 Jahre Damenkompanie, 10 Jahre Schützenchor, bisher die Dorstener Einmaligkeit. Die Festlegung in der Satzung, dass jede natürliche Person Mitglied des Vereins werden kann, wie bisher auch so praktiziert, schließt ein, dass Frauen auch das Recht haben, auf den Königsvogel zu schießen. Dieser Umstand wurde nicht nur im eigenen Verein sehr kontrovers diskutiert. Heinz Ritter erbat einen Gesinnungswandel bei den Gegnern dieser Regelung und war dann selbst überrascht, dass mit nur einigen wenigen Gegenstimmen die Schießordnung beschlossen wurde. Damit sind unumstritten die Holsterhausener Schützenschwestern in eine bislang rein männliche Domäne eingedrungen. Nach der Entlastung wurde der Gesamtvorstand einstimmig in alter Besetzung wiedergewählt. Das Sommerfest, als Zeltfest in eigener Regie auf der Schützenwiese, war ein voller Erfolg. Das Zelt, für 500 Personen vorgesehen, fasste mit Mühe die Besucher. Am Sonntagvormittag fand unter Beteiligung von Fahnenabordnungen der Schützenvereine Holsterhausen-Dorf, St. Marien, Altstadt, Feldmark, Hervest-Dorsten und der Damengruppe der Hardt die Weihe der Standarte unserer Damenkompanie durch die Holsterhausener Geistlichkeit statt.

Bild folgt

Auftritt der Offiziere beim Sommerfest

Praktizierte Übung der 53er ist, dass die Jahreshauptversammlung im Schützenfest stattfindenden Jahr, nach Möglichkeit von Wahlen freigehalten wird. So blieb auch 1999 genügend Freiraum für die Planung des Schützenfestes. Der bereits bei den letzten zwei Schützenfesten geänderte Ablauf hatte sich bewährt und werde beibehalten: Am Pfingstsamstag nach der Totenehrung mit anschließendem Gottesdienst der Zapfenstreich vor dem Festball. War schon die Vorparade vortrefflich, so begann gleichermaßen der Pfingstsamstag nach Totenehrung, Kirchgang und "Zapfenstreich" mit einem übervollem Zelt. Das lag nicht nur an der Show-Band "The Tweens" sondern an Stargast Peter Orloff. Der Pfingstsonntag ist den amtierenden Regenten gewidmet. Diesmal war Abschied zu nehmen vom ersten Holsterhausener Kaiserpaar, das ersichtlich die Ehrenbezeugungen der Abordnungen genoss. Einbezogen in das Geschehen waren das Goldjubelpaar Alfred Stemmler mit Maria Kästner und das Silberpaar Gerd Rautenberg mit Maria Vadlja. Kein Wunder, dass sich der Kaiserball mit Stargast Klaus Patric bis in die frühen Morgenstunden hinzog. Überwältigend die Beteiligung an der Vogelstange. Über 4.000 Zuschauer versuchten den Ablauf des Königsschießens zu verfolgen. Allein schon das Anwärter-"Team" mit Dieter Bingler, Uwe Gudella, Bernhard Heisterkamp, Ingolf Indenbirken, Sascha Schneider und Rolf Schröter versprachen einen spannenden Wettkampf. Unter besonderer Beobachtung stand Bernhard Heisterkamp, hatte er doch den Königsvogel selbst geschnitzt, dem er den Garaus machen wollte. Es war ja nicht ausszuschließen, dass er eine Schwachstelle eingebaut hatte. Die Enttäuschung war dann den Mitbewerbern ins Gesicht geschrieben, als mit dem 137. Schuss Rolf Schröter zum glücklichsten Holsterhausener wurde. Zu seiner Königin wählte er sich die Frau unseres Vogelbauers und seines Mitkonkurrenten, Bernadette Heisterkamp.
Das schon vergrößerte Festzelt war dann zu klein, um allen Anwesenden die Gelegenheit zu geben, die Proklamation mitzuerleben. In welch guter Stimmung beim Krönungsball gefeiert wurde beweist, dass der Zeltwirt große Mühe hatte, nachts noch Bier herbeizuschaffen.

Bild folgt

Schützenkönig Rolf Schröter auf den Schultern der Offiziere

Die Jahreshauptversammlung 2000 stand unter einem Schock, musste doch der 1. Vorsitzende Heinz Ritter mitteilen, dass in den Morgenstunden Ehrenoberst Hans Cirkel nach langer Krankheit verstorben ist. Heinz Ritter hatte bereits angekündigt, nicht mehr für den Vereinsvorsitz zu kandidieren. Er wollte aber seinem Nachfolger "geordnete" Verhältnisse übergeben. So standen seine Entwürfe für eine Offiziers- und Unteroffiziers-, eine Thron- und Ehrenordnung auf der Tagesordnung zur Beschlussfassung. Der designierte Nachfolger Heinz Masuch wurde bei nur zwei Gegenstimmen mit überwiegender Mehrheit der 104 Stimmberechtigten zum 1. Vorsitzenden gewählt. Bernd Mergen (2. Vorsitzender), Rainer Kotus (Geschäftsführer) blieben im Amt. Für den ausgeschiedenen Schatzmeister wurde Jürgen Hensel gewählt. Winfried Minnebusch (Schriftführer) und Hildegard Holthaus-Iniec (Protokollführerin) komplettierten den geschäftsführenden Vorstand. Für besondere Verdienste um den Verein wurden der scheidende Schatzmeister Rüdiger Knickmann, der Geschäftsführer Rainer Kotus und der Vorsitzende des Festausschusses mit dem Verdienstkreuz ausgezeichnet. Erstmals in der 47-jährigen Vereinsgeschichte erhielt Heinz Ritter das Große Verdienstkreuz mit Eichenlaub. Im Mai 2000 fand das schon traditionelle Bataillonsschießen auf dem KK-Schießstand in Gartrop statt. Ein Tross von 500 Metern Länge, angeführt vom Oberst Günter Tellner, machte sich mit Fahrrädern auf den Weg nach Gartrop. Trotz Regen auf dem Rückweg waren sich alle Teilnehmer einig, dass diese Fahrt bald wiederholt werden muss.

Bild folgt

Die Teilnehmer der Fahrradtour nach Gartrop

Das zum zweiten Mal im Festzelt durchgeführte Sommerfest übertraf die kühnsten Erwartungen. Weit über 500 Besucher feierten mit den "Black Boys" und dem "Anton aus Tirol" bis weit in die Nacht. Ein besonderer Höhepunkt bei diesem Sommerfest jedoch war die Auszeichnung unseres Ehrenvorsitzenden Fritz Kramer. In seiner Laudatio ging Heinz Masuch noch einmal auf das bewegte Schützenleben des Fritz Kramer ein. Das "Urgestein" der Holsterhausener Schützen war einer der Gründungsväter des Schützenvereins Holsterhausen 53. 25 Jahre Schriftführer, 16 Jahre 1. Vorsitzender, seit 1994 Ehrenvorsitzender der 53er. Auch im Alter von fast 80 Jahren war Fritz Kramer stets mit Rat und Tat dabei, wenn es darum ging, Feste zu planen und durchzuführen. Als Fritz Kramer aus der Hand von Oberst Günter Tellner das Große Verdienstkreuz mit Eichenlaub erhielt, standen nicht nur ihm sondern auch den meisten der 500 Besucher die Tränen in den Augen. Erst nach minutenlangem Applaus konnte dann das Tanzbein wieder geschwungen werden.

Bei der Jahreshauptversammlung 2001 stand das Schützenfest zu Pfingsten im Mittelpunkt. Außerdem wurde beschlossen, dass die 2. Kompanie dringend eine neue Fahne benötigt. Die Finanzierung soll durch mehrere Aktionen der Kompanie gedeckt werden. Zwei Monate nach seinem 80. Geburtstag verstarb am 19. März 2001 der Ehrenvorsitzende Fritz Kramer. Geprägt vom Schützengeist war sein Handeln, das sich stets am Gemeinwohl unseres Vereins orientierte. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Reichlich Federn lassen musste der Vogel beim Königsschiessen am Pfingstmontag. Verbissen kämpften die 7 Anwärter Erich Sczesny, Uwe Gudella, Ingolf Indenbirken, Dieter Bingler, Hermann-Peter Husch, Karl-Gerd Stranimaier und Bruno Prost um die Königswürde. Einmalig in unserer Vereinsgeschichte wurden 416 Schuss benötigt, bis der Rest des Vogels von der Stange fiel und Holsterhausen einen neuen Schützenkönig hatte. Hermann-Peter Husch wurde um 16.40 Uhr von seinen Mitstreitern durch das Meer von tausenden Besuchern ins Festzelt getragen. Zu seiner Königin erwählte er sich seine Schwester Roswitha Krischock, Ehefrau unseres Fahnenoffiziers Klaus Krischock.

Bild folgt

Das Königspaar Hermann-Peter Husch und Roswitha Krischock mit ihrem Throngefolge

Am 19. September 2001 verstarb unser langjähriger Geschäftsführer Johann Ebbert im Alter von 76 Jahren. Erstmals wurde im Oktober 2001 der Westfälische Schützentag in Dorsten durchgeführt. Im Rahmen der 750-Jahrfeier der Stadt Dorsten fand zum 2. Mal ein Stadtkaiserschiessen aller 13 amtierenden Schützenkönige statt. Neuer Stadtkaiser der Dorstener Schützen wurde Ludwig Klapheck aus der Feldmark. Mehrere tausend Schützen nahmen am großen Festumzug rund um die Dorstener Innenstadt teil. Als die letzten Schützen sich auf dem Westwall in Richtung Dorsten-Hardt in Bewegung setzten, waren die ersten Schützen bereits auf dem Marktplatz eingetroffen. Der abschließende Kaiserball endete erst in den frühen Morgenstunden.

Bild folgt

Die amtierenden Dorstener Schützenkönige beim Kaiserschießen

Das Jahr 2002 stand im Zeichen von Jubiläen unserer Nachbarvereine. Auf der Feldmark, beim Kiliansschützenfest in Schermbeck, in Rhade und schließlich in Altendorf-Ulfkotte nahmen wir jeweils mit starken Abordnungen unseres Vereins an den Festumzügen teil. Wir konnten uns hier bereits ein Bild davon machen, was bei unserem Jubiläum auf uns zukommt. Anlässlich der 800-Jahrfeier der Dorstener Partnerstadt Rybnik fuhr eine Fahnenabordnung sowie einige Offiziere unseres Vereins nach Polen. Beim Sommerfest im Juni 2002 war das Festzelt mit mehr als 500 Besuchern wieder sehr gut gefüllt. Zu den Klängen von "Royal-Flash" wurde bis tief in die Nacht getanzt. Auch die "Jacob-Sisters" der Damenkompanie waren mit ihren Pudeln Gäste auf unserer Bühne. Bereits am Sonntagvormittag ging es für die Aktiven weiter. Erstmals wurde ein Kinderfest von den Offizieren und Mitgliedern der 2. Kompanie durchgeführt. Bis zum späten Nachmittag vergnügten sich mehr als 70 Kinder im Zelt, bevor ein Luftballonwettbewerb den Abschluss des Sommerfestes bildete.

Bei der Jahreshauptversammlung 2003 wurde der geschäftsführende Vorstand komplett wiedergewählt. Zum 2. Geschäftsführer wurde Heiner Hertel gewählt. Eine Überraschung für alle anwesenden Mitglieder, aber besonders für unseren Oberst Günter Tellner, war seine Auszeichnung mit der höchsten Auszeichnung unseres Vereins, dem "Großen Verdienstkreuz mit Eichenlaub". Es gibt nur wenige Mitglieder in den Reihen der 53er, deren Namen so eng mit dem aktiven Geschehen im Holsterhausener Schützenwesen verknüpft sind, wie der Name Günter Tellner. Mit Tränen in den Augen nahm er die Auszeichnung durch den 1. Vorsitzenden Heinz Masuch entgegen.

Vorsitzende ab 1953  
Klaus Koch 1953 - 1961  
Bernhard Brüggemann 1961 - 1963  
Klaus Koch 1963 - 1978  
Fritz Kramer 1978 - 1994  
Heinz Ritter 1994 - 2000  
Heinz Masuch 2000 - 2007  
Arndt Bohla 2007 - 2014  
Ingolf Indenbirken 2014 -  
         

Oberst und Major ab 1953  
Oberst  
Karl Werner 1953 - 1967  
Hans Cirkel 1968 - 1992  
Günter Tellner 1992 - 2004  
Bruno Prost 2004 - 2012  
Tobias Prost  2012 -    
         
 
Major  
Franz Bröskamp 1953 - 1955  
Alois Häming 1955 - 1964  
Alfred Stemmler 1964 - 1986  
Günter Tellner 1986 - 1992  
Bruno Prost 1992 - 2004  
Klaus Müther 2004 - 2006  
Wolfgang Hohn 2007 - 2012  
Stefan Mergen 2012 -  
 

Kompanieführer ab 1953  
1. Kompanie  
Willi Frerick 1953 - 1958  
Josef Frank 1958 - 1973  
Hans Rasche 1973 - 1978  
Klaus Müther 1978 - 1996  
Tobias Prost 1996 - 2008  
Robert-Peter Husch 2008 - 2012  
Peter Horstkamp 2012 - 2018  
Stefan Dimbat 2018 -  
 
 
2. Kompanie  
Alfred Stemmler 1953 - 1965  
Hans Heisler 1965 - 1973  
Josef Frank 1973 - 1978  
Heinz Nabrotzki 1978 - 1983  
Bernd Mergen 1983 - 1995  
Jürgen Hensel 1995 - 2000  
Rolf Schröter 2000 - 2002  
Robert Husch sen. 2002 - 2006  
Hans-Georg Sendker 2006 - 2019  
Arno Fröhlich 2019 -    
 
3. Kompanie  
Max Ringel 1958 - 1963  
Hans Wobker 1963 - 1965  
Gustav Löbardt 1965 - 1977  
Emil Radzanowski 1977 - 1983  
 
 
Damenkompanie  
Manuela Husch 1989 - 1995  
Monika Kotus 1995 - 2006  
 
 
 

Der Chronikteil wurde verfasst:

1953 bis 1978, S. 52 - 72, von Klaus Koch, Vorsitzender von 1953 bis 1978
1978 bis 2000, S. 72 - 91, von Heinz Ritter, Vorsitzender von 1994 bis 2000
2000 bis 2003, S. 92 - 94, von Winfried Minnebusch, Schriftführer